254 Buch II. Elftes Hauptstück.
nie, so ftug ihn dieser, ob er die kurze oder die lange Re-chenschaft geben solle. „Nur die kurze," antwortete der Her-zog, worauf der Zöllner erwiedcrte, es wäre alle Einnahmeverzehrt und noch 1400 Mark dazu. Aufgebracht, fluchte derHerzog: „da schlage vicrzchnhundcrt Mord zu, wie kann dassein?" Der Zöllner versetzte: „Nein, Herr, den schlage vicr-zehnhundcrt Mord, der von eines Andern Gut nicht wohl le-ben mag," worauf der Herzog lachend sagte: „Ja, Herr Zöll-ner, Ihr sagt ganz recht, wer da soll rathcn, der muß auchbaten (Nutzen davon haben)."
Als er mit Hinterlassung zweier Söhne gestorben war,vernachlässigte deren Mutter die Erziehung der Kinder eben sosehr wie die Negierung des Landes, wahrend sie sorglos zu Rü-genwaldc, in unanständiger Vertraulichkeit mit ihrem Hofmei-ster lebte. Die Prinzen strichen in der Stadt in zerrissenenKleidern umher, daß ihnen oft die Zehen durch die Schuhegingen, aßen, tranken, schliefen bei den Bürgern, lerntenNichts, schlugen sich auf der Gasse mit anderen Buben wieKinder des Pöbels.
Dies rührte einen ehrlichen Bauer, Hans Lange, aus demDorfe Lantzkc bei Rügcnwalde. Er trat den ältesten PrinzenBogislav an und sprach: Hartog Bugslaff, wo geistu so heresst du ncrgent tho huß hörest? Wil di de moder nichts gcwen,dat du so schlim kledcr un scho hebbest?" fl). Anfänglich ver-droß dem Prinzen diese freie Rede, doch sah er bald, wie gutgemeint sie war, folgte dem Rathe des Bauern, erhielt vonseiner Mutter auf vieles Bitten die Pacht und den Zins, wel-che derselbe zu entrichten hatte, und der Bauer kaufte ihm nunkindisch Tuch zu Rock und Hosen, Parchcnt zum Wams, einPaar neue Schuhe und kleidete ihn neu von unten bis oben.Jetzt trat der Prinz stattlich einher, wurde aber seiner Mutterso verhasst, daß sie ihn vergiften wollte. Er aber ging zuseinem Bauer, der gab ihm ein Schwerdt, Stiefel, Sporenund ein Pferd und ließ ihn zu seinem Oheime, dem Herzoge
1) Herzog Bogislav, wie gehst Du so einher, als wenn Du nirgendszu Hause gehörtest? Will Dir die Mutter Nichts geben, daß Du soschlechte Kleider und Schuhe hast?