220
Buch II. Zehntes Hauptstück.
von Sachsen veranlasse in Wittenberg eine Universität nachdem Muster Tübingens und Bolognas zu stiften. In Frank-furt wurde daher, wie in Leipzig, ein Fürsten - Collegium er-richtet, sodaß jeder Professor eine Collcgiatur haben sollte.Schon war der Bau des neuen Fürsten-Collegiums in Frank-1499 furt angcfangen, als der Kurfürst starb, der Erste aus demHause der Hohcnzvllern, der sein Grab in der Mark, im Klo-ster Lchnin fand, wo viele der alten Markgrafen aus demHause Anhalt ruhen. Spater wurde sein Leichnam in derGruft des Doms in Köln an der Spree bcigesetzt und erhieltein herrliches Denkmal aus Metall, ein Werk des berühmtennürnberger Künstlers, Adam Bischer. Auf dem Todtcnbettegab Johann seinem ältesten Sohne, dem Kurprinzen Joachim,vier gute Lehren, gottesfürchtig und gut, thätig, gerecht, einSchützer seiner Untcrthanen gegen Gewaltige zu sein und demAdel den Zaum nicht zu lang zu lassen. Albrccht, der jün-gere Bruder des Kurprinzen, trat in den geistlichen Standund wurde später Erzbischof von Magdeburg und Mainz.
Kurfürst Joachim, der, wie sein Vater, selbst ein gelehr-ter Herr war und das Lateinische fertig und zierlich sprach undschrieb, in der Geschichte sehr bewandert war und mehr Kennt-nisse in der Mathematik als irgend ein Fürst seiner Zeit be-saß, auch Gelehrte sehr begünstigte, vollendete die begonneneAnlage der Universität, welche vom Papste Julius II. ihre Bc-1506 stätigung erhielt und 1506 feierlich eingcweiht wurde. WeilPistons seinen Entschluß hier zu bleiben geändert hatte, sowurde Koch aus Buchen, gewöhnlich Wimpina genannt, weiler in Wimpfen auf der Schule gewesen war, erster Rector.Das Kanzler-Amt der Universität wurde dem jedesmaligen Bi-schöfe von Lebus, zuerst dem Dietrich von Bülow, übergeben,einem sehr gelehrten und um die Universität hochverdientenManne, der in Bologna studirt, die Doctorwürde in denRechten erhalten und die Erziehung des Kurfürsten geleitet hatte.
Obgleich die neue Anstalt sogleich von tausend Studi-rcndcn besucht wurde, so erhielt sie doch bald einen großenStoß durch die im Jahre 1515 ausgcbrochcue Pest und diedadurch nöthigc Verlegung nach Kotbus; sie konnte sich auchnie wieder recht erholen, indem sie es nicht vermochte mit