Der Orden in Preussen 1411 — 1466. 205
dem Hochmeister die Schuld vom Verfalle des Ordens zu-schrieb, weigerte sich den Frieden von Brzescie anzunehmen.
Die gegenseitige Erbitterung stieg durch harte Vorwürfe, derHochmeister entsetzte den Deutschmeister seines Amts, dieserweigerte sich es niedcrzulegcn, der Papst drohete ihm mitdem Banne, er aber klagte den Hochmeister der Verletzung derStatuten durch Veräusscrung der Ordcnsgütcr an, lud ihnvor das Capitel nach Mergentheim, und verband sich zumKampfe auf Tod und Leben gegen ihn mit den livländischcnBrüdern. Unter diesen war eben soviel Zwist wie im gan-zen Orden. Bei der zwiespältigen Wahl (1438) eines neuenLandmcisters behauptete sich der mit Gewalt, welchen derHochmeister verwarf, klagte diesen vor der Kirchenversamm-lung in Basel der Bestechlichkeit und unredlichen Regimentsan und erklärte, in Verbindung mit dem Deutschmeister, denStuhl des Hochmeisters für erledigt. Alle Unterhandlungenund Vermittelungs-Versuche waren vergeblich, fast überallwar Widersetzlichkeit gegen den alten und schwachen Hoch-meister, der nicht durchzugreifen wagte. Die drei Convente 1440in Brandenburg, Königsberg und Balga erhoben Beschwerdevor dem Meister über den obersten Marschall, überfielen die-sen, ohne die vom Hochmeister versprochene Untersuchung ab«zuwartcn, und entsetzten ihn seines Amts. Der Großkomthurversammelte mehrere Komthure, kam zum Hochmeister nachMarienburg und vergab, ohne dessen Wissen und Willen,völlig eigenmächtig die Komthurämter. Die Schwäche undOhnmacht des Hochmeisters war ganz offenbar. Wie konnteder Orden bei so öffentlichem Zwiespalte seine alte Macht be-haupten, wenn diese irgend angegriffen wurde? Der Adelund die Städte benutzten daher die so günstige Gelegenheit,ihre verletzten Privilegien herzustellcn und noch weiter aus-zudehncn.
Der Hochmeister hatte die während des Kriegs verboteneGetreideausfuhr einigen Personen, gegen eine bestimmte Ab-gabe, frei gegeben. Die Städte verlangten völlig freie Aus-fuhr und Abschaffung mehrerer Zölle, was der Hochmeisterweigerte und sie noch erhöhete. Hauptsächlich bewegte sichbereits seit sechs Jahren das Kulmer Land wegen seiner ho-