Brandenburg unter Kurfürst Friedrich!. 183
Geld und gcnöthigt durch große Opfer den Beistand der Für-sten zu erkaufen, deren Fehden untereinander jede dauerndeallgemeine Vereinigung der Kräfte unmöglich machten. Ge-genseitige Eifersucht hinderte jede kräftige Wirksamkeit der müh-sam zusammcngebrachtcn Heere, denen eben die Begeisterungabging, welche die Böhmen für ihre gerechte Sache erfüllte.
Die Reichsheere erschienen daher spat im Felde, nie vollzäh-lig, gingen selbst ungeschlagen bald auseinander, und die er-sten ungünstigen Erfolge tödtctcn hier alles Selbstvertrauen,während cs bei den Böhmen stieg. Die deutschen Fürsten be-rücksichtigten mehr ihr eigenes als das Interesse des Reichs;von fremden Fürsten war ohne Geld gar keine Hülfe zu er-warten, und König Wladislaus von Polen, dem von den Hus-siten die böhmische Krone angetragen wurde, entschied sich spätund war nicht gegen sie. Vergeblich bot ihm der Kaiser seineeinzige elfjährige Tochter, Elisabeth, dann seines BrudersWenzel Wittwe, mit Schlesien und zwanzigtausend DucatenHeirathsgut an; Wladislaus schlug das aus und unterstützteredlich die Böhmen, indem er ihnen seinen Neffen, den lit-thauischen Prinzen Sigismund Koributh als König schickte. 1421So viele Verbindlichkeiten nun auch Kurfürst Friedrichgegen den Kaiser hatte, so konnte er doch demselben, in lang-jährige Fehden mit dem Herzoge Ludwig dem Bärtigen vonBaiern-Ingolstadt, den Herzogen von Pommern und Mcklen-burg verwickelt, nicht so thätigen Beistand leisten, als er wohlausserdem gcthan hätte. Hierzu kamen bei unscrm staatsklu-gcn Friedrich noch andere Rücksichten in Anschlag. Erstensblieb sein weiser und immer wiederholter Rath, den Krieg nurals Staats-Angelegenheit zu betrachten und die Religions-An-gelegenheiten einer künftigen Kirchen-Versammlung zu über-lassen, lange unbeachtet, und es zeigte sich sogleich, daß derangefangene Neligionskricg keinen günstigen Erfolg habenwürde; zweitens dachte Friedrich nicht nur auf Behauptungseiner Länder und Rechte, sondern suchte diese auch möglichstauszudehnen. Es konnte ihm nicht anders als höchst unange-nehm sein, die Neumark, welche seit Jahrhunderten zur MarkBrandenburg gehört hatte, in den Händen des Ordens zu se-hen, der durchaus nicht geneigt war sic ihm gegen Ersatz der