Brandenburg unter Kurfürst Friedrich!. 18!
mung der Gemüther in Böhmen, von der allgemeinen Ver-ehrung für Huß und von der Gewalt der ncuangenommenenreligiösen Ideen in dem tapfern Volke. Vergeblich suchteWenzel, schwach und wankelmüthig, die innere Ruhe durchNachgiebigkeit zu erhalten. Die Gemüther der Parteien wa-ren zu sehr gegen einander gereizt. In Prag kam es, alsdie Hussiten von den Anhängern der Geistlichkeit gcmishandelt 1419wurden, zum Aufruhrs. Zizka, einer der Hofleute des Kö-nigs, ein eifriger und entschlossener Krieger, hatte sich mitvierzigtausend Hussiten im bechincr Kreise auf einem Berge,den sie Tabor nannten, zum Genüsse des Abendmahls unterbeiderlei Gestalt vereinigt, weshalb sie nun Taboriten genanntwurden. An ihrer Spitze stürmte er das Rathhaus, und dergesammte Rath wurde zu den Fenstern hinausgestürzt, untenmit Spicssen aufgcfangcn und grässlich ermordet. Dies er-schütterte den König so, daß er in einem Anfälle von Wuthdie Hussiten zu vertilgen beschloß und sogleich seinen Bruderum Hülfe bat, doch eben so schnell den Aufrührern verzieh 16. Aug,und plötzlich starb. 1419
Nun verbreitete sich der Aufruhr durch ganz Böhmen. DieHussiten zerstörten die Zierrathen der Kirchen, plünderten undverbrannten die Klöster, mißhandelten die Mönche und wolltenden Sigismund nicht als König anerkennen. Der Bürgerkriegzwischen den Hussiten und Katholiken wüthete mit fürchterli-cher Grausamkeit. Vergeblich stellte der sehr vorsichtige undftaatskluge Kurfürst Friedrich, der Geistliches und Weltlicheswohl zu trennen verstand, dem Könige vor, er möge nur erstsuchen Böhmen einzunehmcn, die kirchlichen Angelegenheitender Kirche selbst überlassen und nicht dem heftigen Nathc sei-ner Geistlichen folgen, wodurch Alles verdorben werden würde.
Er unterhandelte für den König mit den Böhmen und ver-sprach ihnen, sie sollten nicht gezwungen werden die Decrcteder ihnen so verhassten Kirchen-Versammlung zu Kostnitz an-zunchmen, diese vielmehr bis zur Entscheidung einer neuenKirchen-Versammlung ausgcsctzt bleiben. Der König aber warso übermüthig, daß er auf einem Landtage in Brünn drohetc, erwolle nur über die niedergerissencn Mauern von Prag seinenEinzug halten. Aus einem Tage zu Breslau ließ er einen 1420