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1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
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Buch II. Siebentes Hauptstück.

nicht gestellt hatte, die Stadt Prag aber vom Erzbischöfe mitdem Jntcrdi'cte belegt.

Der König gab Huß auf. Dieser verließ die Stadt,predigte dem zahlreich versammelten Volke auf dem Landeund beschloß freiwillig, ungcrufcn zur Kirchcnvcrsammlungnach Kostnitz zu reisen, um sich hier gegen den Vorwurf derKetzerei zu rechtfertigen. Vor einer Synode in Prag konnteihm Niemand beweisen, er habe Etwas gegen den Glaubender Kirche gelehrt. Dies bezeugten ihm auch urkundlich derpäpstliche Legat, der Erzbischof von Prag und die versammel-ten Stande. Unter dem Geleite König Sigismunds erschienHuß vor den versammelten Vätern in Kostnitz. Er hatte einso reines Gewissen, daß er sich ohne Scheu auf Treu undGlauben des Kaisers verließ. Die Kirchenversammlung, an-geregt durch dieselben Männer, welche weit heftiger als Hußgegen die Mißbrauche der Kirche gesprochen hatten, ihn aberaus Parteigründen der Scholastik hassten, dann durch falscheAnklagen der böhmischen Geistlichkeit veranlasst, fand ketzerischeGrundsätze, welche in Böhmen nicht entdeckt worden waren,1415 und vcrurthcilte den Huß zum Feuertodc, wahrend sie einender ruchlosesten Menschen, den Balthaser von Cossa als PapstJohann XXIII., der den schmählichsten Tod nach der öffent-lichen Beweisführung des Concils tausendmal verdient hatte,der päpstlichen Würde wegen Meuchelmords, Nothzüchtigungund Blutschande entsetzte, und ihn nachher noch als Erzbischofvon Florenz duldete. Das Schicksal des Huß theilte baldnachher sein feuriger, gelehrter und heldcnmüthiger Freund,Hieronymus von Prag. Beide starben als Männer und Mär-tyrer einer Sache, von deren Güte sie überzeugt waren, undwenn die flammenden Scheiterhaufen ihre scharfen Lichter aufdie grauenvolle Nacht rings umher warfen, so leuchteten sieauch als Stern für das Wiedercrwachcn des menschlichenGeistes, der nun ansing sich von den Fesseln eines Kirchen-glaubcns zu befreien, welcher die Menschlichkeit zu vernichtendrohete.

Der Kaiser, welcher vom Könige Wenzel besonders be-vollmächtigt war Böhmen bei der Kirchcnvcrsammlung zuvertreten, hatte sich, veranlasst vom Kurfürsten Friedrich von