Brandenburg unter Kurfürst FriedrichI. 177
daselbst zu errichten. Nur zweitausend Studenten bliebenin Prag.
Die Verwirrung wurde im böhmischen Reiche immergrößer, als Wenzel verbot dem Papste Gregor gehorsam zusein, und Erzbischof Sbinko von Prag den Huß und alleLehrer der Universität bannte, weil sie dem Könige gehorsamwaren. Natürlich schwieg Huß nicht. Als sich der Erzbischofeinstens über des Huß Strafpredigten gegen die Laster derGeistlichen bei dem Könige beklagte, crwiedertc dieser: „so-lange Huß gegen die Laien predigte, habt ihr euch gcfrcuet;nun die Reihe an euch kommt, mögt ihr auch zufrieden sein."
Bei der Aussöhnung des Erzbischofs mit dem Könige wurde 1411zugleich vertragen: die Geistlichen sollten nicht mit ihren neuerfundenen Gesetzen um sich greifen. Huß setzte sein Glau-bcnsbekenntniß auf und bewies, daß er in Glaubenssachenvon der katholischen Kirche nicht abwciche, fuhr aber fortsich den Mißbrauchen derselben kräftig zu widcrsetzen. Als einLegat Papst Johanns XXIII., mit Genehmigung des Königs 1412Wenzel, das Kreuz gegen den König Ladislaus von Neapelpredigte und den Teilnehmern vollkommenen Ablaß verkün-dete, so sprachen Huß und viele Magister der Präger Univer-sität laut gegen den Verkauf des Ablasses für Geld und be-haupteten, es sei gegen die heilige Schrift, Christen gegenChristen zum Kriege zu reizen. Huß disputirte sogar öffent-lich darüber, daß cs unrecht sei, dem Papste Geld zur Ver-giessung von Christcnblut zu geben. Der heftige Hierony-mus von Prag ging weiter. Gassenlieder verspotteten denLegaten, den Ablaß und die schändliche Plünderung des Land-volks durch denselben. Selbst König Wenzel beschwerte sichüber diese großen Misbräuche beim Papste. Hieronymusverbrannte die päpstliche Ablaßbulle öffentlich am Pranger inder Neustadt Prag. Die Gährung stieg und gab zu man-cherlei Ausschweifungen Veranlassung. Drei Studenten wur-den als Volksaufrührer hingerichtet und als Märtyrer einerguten Sache betrachtet. Viele erboten sich freiwillig ihrSchicksal zu theilen. Ein neues Verbot der wiklesschenSchriften erfolgte von der Geistlichkeit. Huß wurde vomPapste in den Bann gethan, weil er sich, nach Nom gefedert,Stenzel Gesch. d. Preußisch. Staats I. 12