172 Buch H. Sechstes Hauptstück.
werden wolle, eine allgemeine Kirchcnversammlung zn beru-fen. Da sich min zugleich der kühne Ladislaus, König von1413 Neapel, des Kirchenstaats bemächtigt hatte, und Sigismundfürchtete, dieser werde seine Ansprüche auf Ungarn geltendmachen, so arbeitete er thätig daran dem allgemeinen Wunschezu genügen, erließ, in äusserer Übereinstimmung mit dem 'Oktober Papste Johann XXIII., die Ausschreiben dazu und berief !1413 die Väter der Christenheit auf den Ersten November 1414nach Kostnitz, um die Kirchenspaltung zu enden und eineReform der Kirche zu bewirken.
Noch nie war eine Kirchenversammlung von geistlichenund weltlichen Fürsten, Priestern und Laien zaklrcicher besuchtworden als die zu Kvstnitz. Eine unglaubliche Pracht undVerschwendung entfaltete hier die Reichthümer und Üppigkeitder christlichen -Welt. Papst Johann XXIII. erschien miteinem Gefolge von sechshundert, der Kaiser von tausend Per-sonen. Die Herzoge von Licgnitz und Brieg, Sagan, Oppeln,Pommern, Wolgast und Stettin waren ebenfalls gegenwärtig.
Die vielen Ausgaben des Kaisers nöthigtcn ihn immermehr Geld aufzunehmen. Er erhielt noch zweimalhundertund funfzigtausend ungarische Goldgulden vom BurggrafenZo. April Friedrich, was ihn bewog diesem, mit Bewilligung der Kur- !1415 fürsten, die Mark Brandenburg nebst der Kurwürde und allerLandeshcrrlichkcit zu übergeben, jedoch mit dem Vorbehaltefür sich, für seine und König Wenzels männliche Nachkommen,dieselbe mit vicrmalhunderttausend ungarischen Goldguldcnwieder einlosen zu können. Durch offene Schreiben erließ erdie Stände und Bewohner der Mark der ihm schuldigenPflicht und wies sie an den nunmehrigen Markgrafen Fried-rich, der auch sogleich Sitz und Stimme unter den Kurfür-sten nahm, ohne daß der Widerspruch der Böhmen und Her-zog Ludwigs von Baiern-Landshut berücksichtigt worden wäre,der noch Rechte seines Hauses auf die Mark in Anspruch nahm.
Im Herbste desselben Jahrs erschien der Kurfürst Fried-rich in der Mark, ließ sich, wie gewöhnlich, auf einer ReiseD-c-mber im Lande umher die Erbhuldigung, zu Berlin in der mark- !1415 gräflichen Burg, dem jetzigen Lagerhause in der Klostcrstraße,leisten, und bestätigte den Ständen allgemein und besonders