Die Hohenzollcrn in d. Mark Brandenburg. 165
Gelehrten seiner Zeit trefflich ausgebildet, liebte die Wissen-schaften, war der lateinischen, französischen und italienischenSprache mächtig, im bürgerlichen und Kirchen-Rechte erfah-ren, was ihm später ungemein vortheilhast wurde, und inritterlichen Künsten geübt. Dabei war er ein Mann vonausgezeichnetem Verstände, der sehr wohl Wesentliches vomUnwesentlichen, und was damals selten war, kirchliche undStaats-Angelegenheiten scharf zu unterscheiden wusste, sehr-besonnen in schwierigen Lagen, und gemäßigt, um nicht mitdem Äufscrstcn zu beginnen, dann entschlossen und tapfer ge-nug, um seine Entwürfe durchzusührcn, und fest, sie zu be-haupten. Freigebig erwarb er sich Freunde, ohne durch Ver-schwendung in Noth zu gerathcn. Er hatte immer Geld zuseinen Zwecken. Sein Benehmen war gütig und freundlichgegen Jedermann, wodurch er die Herzen des Volks an sichzog. Er gab wohl den Abgeordneten der Stadt Zerbst, wel-che gegen ihren Fürsten klagten und nicht vor den Kaiserkommen konnten, den Rath, sich an seinem Rocke sestzuhalten,um mit ihm durch das Gedränge zu kommen '). Sein Haupt-streben war die Erhöhung der Größe seines Hauses, daranreihet sich Alles was er that.
Obgleich die Verbindung der Burggrafen mit dem HauseLuxemburg auch nach Karls Lode sortdaucrte, so nahm dochunser Friedrich VI. thätigcn Lhcil an der Absetzung Wenzelsund an der Erwählung seines Schwester-Mannes, des Pfalz-grasen Ruprecht. Nach dessen Lode hielt er sich an den Kö-nig Sigismund von Ungarn, um welchen er sich schon srühcrVcrdienste erworben haben soll. Dadurch wurde er in dielangjährige, unnatürliche Feindschaft der Mitglieder des luxem-burgischen Hauses gegen einander verwickelt.
Aus dem Wahltage zu Frankfurt erschien er, wie bereits 1410erzählt worden, als Bevollmächtigter Sigismunds mit der bran-dcnburgcr Wahlstimmc und bewirkte, nebst dem Erzbischöfe vonTrier und dem Pfalzgrafen Ludwig, die Wahl Sigismunds zumrömischen Könige, welchem die Kurfürsten von Mainz, Köln,Böhmen und Sachsen den Markgrafen Jost von Mähren cnt-
1) Nachricht eines Zeitgenossen, Peter Berber, in seiner Hand- -schriftlichen Chronik von Kerbst.