150
Buch H. Viertes Hauptstück.
Mangel an Lebensmitteln und Seuchen rafften Menschenund Vieh im Belagerungs-Heere hin. König SigismundsBotschaft ermunterte zur Tapferkeit. Der Marschall von Liv-land rückte zur Unterstützung heran. Nach zehnwöchentlicherBelagerung wollte der König die ihm früher angebotencn Frie-dens-Bedingungen annehmen, doch dazu war nun der Statt-halter nicht mehr geneigt. Als Nachricht ankam, daß der Kö-nig von Ungarn in Polen eingefallen, verlieh der König Wla-dislaus den Städten, die sich ihm ergeben hatten, große Frei-heiten und zog ab. Der Vogt der Neumark kam mit einemSöldner-Haufen. In kurzer Zeit war der Orden wieder Herrseiner Länder und nur wenige Festen noch in der Polen Hand.
Wen anders hätten die Ritter zu ihrem Hochmeister wäh-len können als ihren Retter Heinrich von Plauen? NeueSöldner-Haufen verstärkten den Orden, doch diese kostetengroße, unerschwingliche Summen, und der Meister musste den20. Jan. Frieden schliefsen, zu welchem auch der Großfürst Witold sich1411 neigte, dessen Verbindung mit Wladislaus loser zu werdenansing. Der Friede zu Thorn war unter den damaligen Um-ständen noch günstig genug für den Orden, welcher Samo-gitien an Witold und Jagiello auf deren Lebenszeit abtrat undhunderttausend Schock breiter prager Groschen Lösegeld für dieGefangenen entrichtete. Ungehinderter Handel sollte zwischenden beiderseitigen Unterthanen getrieben werden.
Nach dem Frieden trat das Misverhältniß zwischen denFormen der alten Ordens-Herrschaft und den Foderungen derUnterthanen desselben erst recht hervor und führte die altenEinrichtungen ihrer Auflösung immer mehr entgegen. Wäh-rend dieses geschah, wurde durch den Fall und Untergang desluxemburgischen Hauses hauptsächlich die Lage der Marken soverändert, daß wir zunächst auf sie unsere Aufmerksamkeit wen-den müssen.