Fünftes Hauptstück.
Die Mark Brandenburg unter den Luxemburgern.
Sinken der Macht dieses Hauses durch innereUneinigkeit.
§8ar die Persönlichkeit Sigismunds wie auch seine Lage alsKönig von Ungarn nicht ohne wichtigen Einfluß auf das wasin Polen und Preussen geschah, so wirkten sie und die Fami-lien-Zwistigkeiten des luxemburgischen Hauses überhaupt, ver-bunden mit den in den Völkern nach und nach erwachendenreligiösen Interessen noch weit entscheidender auf die Markenund die übrigen mit Böhmen verbundenen Lander, Schlesienund die Lausitz, ein.
Wir haben gesehen, daß Kaiser Karl seinem zweiten SohneSigismund die Marken, Lcbus und Sternberg bestimmt, undKönig Wenzel auf diese Lander zu Gunsten seines Brudersverzichtet hatte. Sigismund hatte, wie wir erzählten, nochzehn Jahre hindurch zugleich die Ncumark behalten, welchenebst der Ober-Lausitz seinem Bruder Johann, der Verfügungdes Vaters gemäß, gehörte.
War es für alle Staaten Kaiser Karls schon ein Unglück,daß er starb, so wurde dieses doch für die Marken dadurchnoch weit größer, daß Markgraf Sigismund sie nur als Ne-benland betrachtete. Zn mehrjährige Kriege um die polnischeund ungarische Krone verwickelt, war er selten in den Markenanwesend. Während Hauptlcute ohne gehörige Macht seineStelle vertraten, griffen die Herzoge von Mcklenburg die Prieg-nitz an, der Adel erhob sich gewaltsam. Gegen ihn, als ge-gen Mordbrenner und Räuber, traten die Städte der Altmarkmit der Stadt Magdeburg zusammen, zur gemeinschaftlichenVertheidigung; der Erzbischof von Magdeburg nahm sich ih-rer an und schützte sie durch seinen Hauptmann Meineke vonSchicrstädt. Durch Kriege und Verschwendung immer geld-bedürftig , wollte Sigismund bereits im Jahre 1385 die Alt-1385