1Z8 Buch H. Drittes Hauptstück.
1397 einigungen, und daher schlossen vier edle Ritter den Eidechsen-bund, der sich dann verstärkte. Es ist wahr, dieser Vereintrat erst spater wirksam auf und griff in die neuen Verhält-nisse ein, allein er zeugt wenigstens von dem Gefühle entwe-der drohenden oder bereits ungerecht erlittenen Drucks undder Absicht sich selbst zu schützen. Er konnte nur gegen denOrden gerichtet sein. Auf der andern Seite erhoben sich nochfrüher durch Betriebsamkeit und Handel die Städte zum Wohl-stände, ja zum Rcichthume. Auch sie fühlten sich; obgleichdem Orden untcrthan, standen sie doch in wechselseitigen Rechts-verhältnissen zu demselben, und vergewaltigen liessen sic sichnicht. Der Orden hatte sie zu seinem eigenen Vorthcile man-nichfach begünstigt; die großem von ihnen waren in den han-seatischen Bund getreten, wodurch sie neue Freiheiten und Han-dels-Vorrechte erlangten; gemeinschaftliches Interesse vereinigtesie zur Aufrechthaltung derselben. Hieraus entstanden Bcra-thungs-Tage und Verhandlungen, welche auch für die kleine-ren Städte und den Land-Adel wichtig waren, weil der Han-del auch deren Interessen berührte. Es wurden auf den Lan-dcs-Vcrsammlungen mit dem Orden Verträge über Rechte undAngelegenheiten des Handels geschlossen, und schon im Jahre1386 verlangten die Herzoge von Pommern die Gewährleistungder Städte und des Adels für den von ihnen mit dem Or-den geschlossenen Frieden. Selbst der deutsche Bauer war per-sönlich frei und duldete schwerlich leicht ungerechten Druck. Esliegt etwas so Segensreiches in der Freiheit, daß sie unter al-len Umständen neue Keime treibt und früh oder spät Früchteträgt; hier ist sie nicht jener abstracte Begriff, das Zauber-wort welches die neueste Zeit bewegt, sondern bestimmte Rechteder Untergebenen und die Grenze der Gewalt des Landesherrn.
Die Verhältnisse des Ordens zu den Deutschen im Landewaren sämmtlich gewissermaßen durch freie Verträge entstanden,welche eines Jeden Rechte und Pflichten festsctztcn. Es bliebin dem Unterthanen immer das Gefühl, ein Recht zu haben,in einem bestimmten Kreise frei zu sein, keiner Willkür zu un-terliegen. Hieraus entwickelten sich lebendige Bestrebungen,Wohlstand und jenes höhere Selbstgefühl der Freiheit, solangeder Orden im alten Gleise ruhig fortschritt, fast unbemerkt; es