Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

118

Buch H. Zweites Hauptstück.

lebe noch, so wurde das freudig von den Bewohnern derMark ausgenommen und bald für sic Gewißheit. Ein Pilgererschien vor dem Erzbischöfe von Magdeburg und erklärte, ersei der, angeblich vor acht und zwanzig Jahren verstorbene,Markgraf Waldemar, habe wegen seiner Vermahlung im ver-botenen Verwandtschafts-Grade Gewissensbisse gefühlt, sichkrank gestellt, die Leiche eines andern Mannes als die seinigebegraben lassen, sei dann zur Buße nach Jerusalem gewall-fahrtet und komme nun erst, nach vielfachen Wanderungenund Schicksalen, da er gehört, wie sein Land der Verheerungprcisgegeben sei, zurück, um cs zu retten, Der Erzbischof be-rief alle Dienstlcute des Hochstifts. Diese erkannten den Pil-ger, der alle ihm vorgelcgte Fragen genügend beantwortete,für den Markgrafen Waldemar, ebenso der Schwiegersohndesselben, Herzog Heinrich von Braunschweig, dann die Her-zoge von Sachsen, von Meklcnburg und von Pommern. Mit1348 lautem Jubel wurde er von den Markern empfangen. MitFahnen und Spiel zogen sie ihm entgegen wohin er kam,und er ertheiltc urkundliche Freiheiten, als Landesfürst. Fastallls Land siel ihm zu, nur wenige Städte, wie Spandau,Frankfurt und Brietzen, hielten fest an Ludwig, weshalb dieser sievielfach belohnte. Nachher wurde Brietzen Treuenbrietzen genannt,weil es seinem Fürsten auch später in Kriegsnöthen treu blieb,wie die lateinische Inschrift am Rathhause des Ortes bezeugt.

König Karl eilte das ihm so günstige Ercigniß zu be-nutzen. Er schloß im Herbste des Jahrs mit einem HeereFrankfurt ein, wohin sich Markgraf Ludwig geworfen hatte,ließ von den Herzogen von Sachsen und Meklcnburg undmehreren Großen und Herren eine förmliche Untersuchung durchFürsten, Herren, Ritter und Knechte, auch gemeine Leute, dieden Markgrafen wohl gekannt hatten, anstellcn, ob der Pil-ger wirklich Markgraf Waldemar sei; und nachdem dasselbeunzweifelhaft dargethan worden, wies er die Bewohner der2. Oct. gesammten Marken an Waldemar, gab dem Herzoge vonSachsen und den Fürsten von Anhalt die Anwartschaft ausdie Marken nach des Markgrafen Tode, und belehnte diesen5. Oct. feierlich mit den gesammten Ländern, die er vorher besessenhatte. Markgraf Ludwig dagegen erklärte den Waldemar für