Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
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Buch 1. Achtes Hauptstück.

Der eingeborne gemeine Slave wurde nach und nach zumLeibeigenen herabgcdrückt und gehörte zum Grunde und Bo-den des Guts, dieses mochte nun dem Fürsten oder dem Edel-manne zustehen. Ausser den ungcmesscnen Diensten für sei-nen Gutsherrn war er auch dem Landesherrn sowohl zu Dien-sten mancherlei Art als zu anderen Leistungen und Abgabenverpflichtet, und cs konnte der Edelmann auch in den slavischenLandern in diesem Bezüge nicht völlig frei über sein Gut ver-fügen, weil er des Landesherrn Rechte nicht beeinträchtigendurfte.

Der Fürst erhielt von jeder Hufe des Landes den Erdzins(poruälno), von jedem Hofe Hofgeld (poclvvoroxve), fernerZins von jedem Stücke Vieh, als von Ochsen, Kühen, Scha-fen, Schweinen. Der Bauer stöhnte ihm in der Korn- undHcuerndte (prsesevu), im Walde zum Holzschlagen (losns),beim Fischen und bei der Jagd (loxvo^), mit Hand- undSpann-Diensten (po^vo-i), er leistete ihm und seinen vornehmenHofbedienten, auch seinen Boten und Dienern, als Jagern,Falkenieren, Bieberfängern, und besonders dem Heere Vorspann(pr-ervoä), fuhr ihr Gepäck, setzte sie über Flüsse, gab ihnenLebensmittel und Futter für ihr Vieh, Nachtquartier (stau),fütterte und bewahrte des Fürsten Hunde (xsure) und Falken,hielt Wache in den Dörfern qnd Burgen (strorur), schanztebeim Bau neuer und bei Ausbesserung alter Festungswerke,eiste die gefrornen Gräben an denselben auf, musste Kriegs-dienste thun und flüchtigen Verbrechern nachjagcn. Diese oh-nehin schon drückenden Lasten der Bauern wurden noch ver-mehrt durch den Misbrauch der fürstlichen Hofbeamteten undDiener, ja der Großen überhaupt: denn diese nahmen nicht nurin Verrichtungen ihres Fürsten, sondern auch oft für sich dennächsten Wagen, das nächste Pferd, schwangen sich auf, jag-ten das Vieh todt oder stellten es doch dem Eigenthümer nichtzurück. Schon Boleslaus Chrobri musste strenge Verfügungenzum Schutze der unglücklichen Bauern, besonders gegen denMisbrauch des Vorspanns (pockrvoäu) erlassen. Unter seinenNachfolgern wurde der Druck unerträglich, weshalb sich nachdcm Tode Miecislavs II. die Leibeigenen in Masse empörtenund Polen an den Rand des Abgrunds brachten. Kasimir II.