Eroberung Prcussens durch den deutschen Orden. 39
ftn zu bewirken und ihren Anfällen zu entgehen, veranlassteden Herzog Konrad die mehrfachen Versuche zu unterstützen,welche von einzelnen frommen Männern gemacht wurden diePreusscn zu bekehren. Doch alle diese Unternehmungen schei-terten an der Hartnäckigkeit der Preusscn und durch die Un-geschicklichkeit der mehr eifrigen als klugen Apostel, bis einMönch erschien, der es wagte den so gefährlichen Versuch zuerneuern. Christian, so hieß dieser Mann, war zu Freien-walde in Pommern geboren, dann im Kloster Kolbatz Bernhar-diner-Mönch geworden. Im Kloster Oliva hatte er sich dar-auf durch Fleiß schätzbare und für seine Zeit nicht gewöhn-liche Kenntnisse erworben, war ausser der lateinischen unddeutschen auch der polnischen und prcussischcn Sprache mäch-tig, dabei ein Mann von milder Gesinnung und unsträflichemWandel. In der Nähe der preussischen Heiden fasste er denEntschluß sie zum Christenthume zu bekehren, dessen glücklicheFolgen er für sein Vaterland Pommern vor Augen sah. Eskonnte ihn die mannichfache Erfahrung früherer unglücklicherVersuche nicht abschreckcn, sie belehrten ihn. Er hatte Gele-genheit die Gemüthsart der Preusscn kennen zu lernen undsich mit allen den Schwierigkeiten vertraut zu machen, dieder Ausführung seines Entwurfs bei einem Volke entgegcn-standen, welches die Christen mit so vielem Rechte hasste.
Der Anfang seiner mehrjährigen Bemühungen (seit 1208) ander Grenze Polens und Pommerns, im jetzigen Lübauischenund Elbingschen hatte, unterstützt von mehrcrn Klosterbrüdernaus Oliva, unerwartet günstigen Erfolg; mehrere vornehmePreusscn licsscn sich taufen. Als Christian dieses voller Freudedem Papste Jnnocenz III. berichtete, so erhob ihn dieser zum 1214Bischöfe von Preusscn. Doch nun brach um so heftiger derlangverhaltene Haß der Heiden gegen das sie bedrohendeChristenthum aus. Die gesammten Grenzstriche bis zur Dre-wenz wurden schonungslos von den Preusscn verwüstet, dasChristenthum fast gänzlich ausgerottet und nur wenige heim-liche Bekenner blieben. Der Herzog Konrad konnte die Preus-sen nicht von einem verheerenden Einfalle in Masovien ab-halten. Über dreihundert Kirchen und Kapellen sanken inAsche, und nur Geschenke von schönen Kleidern und Rossen