Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
38
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ZF Buch l. Sechstes Hnnptsinck.

Schwcrdte in der Hand unter blutigen Kämpfen gegen Li-ven, Russen, Esthcn, Litthaucr, Semgallcn und Kuren dasChristcnthum zugleich mit den Ansiedlungen der Deutschen inStädten, Burgen und Dörfern gegründet und Livland vondem römischen Kaiser als dem Herrn der Welt und, wie manmeinte, vorzüglich der Niemand zugehörigen heidnischen Län-der dem Bischöfe als ein freies Fürstcnthum verliehen.

So waren nun die Prcusscn auf allen Seiten von christ-lichen Völkern umgeben, sie allein blieben Heiden. Nie hat-ten sie Gutes, wohl aber viel Böses von den Christen erfah-ren, und ein glühender Haß erfüllte sie gegen dieselben. Siehatten das Christenthum nie anders als in Gesellschaft mitder Knechtschaft gesehn, und der begeisterte Muth für Freiheitund Vaterland sammelte sich um die alten heidnischen Götter.Die früher so gutartigen, friedlichen Ackerbauer wurden wildund grausam durch die Anfälle ihrer Nachbaren. Sie kämpf-ten tapfer gegen die Polen, und mehrmals, vielleicht nur thcil-weise, immer nur auf kurze Zeit zum Tribute gezwungen war-fen sie das Joch bald wieder ab. Durch die vielen Fehdenwurden sie kriegerischer gewöhnt und erfahren, sie brauchtennicht mehr allein jene frühem Waffen aus Holz und Stein, siehatten Armbrüste, Lanzen, Schilde, verschanzte Festen, sie foch-ten seltner geschaart im freien Felde, als sie den Feind in Sümpfeund Hinterhalte zu locken suchten, um ihn zertrennt anzugrci-fen und zu vernichten. Gereizt durch viele Angriffe hielten siesich nicht mehr innerhalb ihrer Grenzen. Die Reiks der ein-zelnen Landschaften überschritten an der Spitze ihres Aufge-bots zu Roß und zu Fuß die Ossa und Drcbnitz und dran-gen, Alles auf das fürchterlichste verheerend, weit und breitvor in das durch Theilungcn und innern Zwist geschwächtePolen. Der Herzog Konrad von Masovicn, ein seiger Ty-rann, fand, oft flüchtig, kaum in seiner Hauptburg Plozk au-genblickliche Rettung vor dem Racheschwerdte der Prcussen,welche, unbekannt mit der Belagerungskunst, zufrieden mit rei-cher Beute abzogen.

Der glückliche Erfolg, den die Gründung des Christen-thums in Pommern und Livland hatte, und die Hoffnung,dadurch eine friedliche Aussöhnung mit den gefürchteten Preus-