Eroberung Prcussens durch den deutschen Orden. 37
Verstund das Nothwendige oder Nützliche des Zusammenwir-kens begriff. Entsprangen auch die Gefühle, welche am Kran-kenbette durch milde Pflege, wie zum Schutze der Bedräng-ten, durch Waffen überall bei den Ritterorden in das Lebentraten, aus dem innersten Heiligthume der menschlichen Na-tur, so war es doch das Christenthum, welches diese Empfin-dungen weckte und sie aus den Banden der durch Krieg undGewalt verhärteten Herzen löste. Daher eben auch bei denRitterorden überall die innige Verbindung mit der Religion,überall deren Zeichen, das Kreuz, der Heiland, dessen Mutter,dessen Vorläufer Johannes, überall die Gelübde der bereitsvorhandenen Mönchsorden im Sinne der Entsagung allesIrdischen was den Menschen reizt, wie Frauenliebe, Reich-thum und Herrschaft, in Nachahmung des hohen Vorbildes,welches auf der Erde erschien, um den Menschen zu zeigen,was der Mensch vermöge. Es ist kein anderer Geist, der inunseren Tagen den Hungrigen speist, den Durstigen tränkt,Nackte kleidet, die Wohnungen des Elends und des Lastersbesucht, zu retten und zu bessern, Hoffnung den Verzagten,Trost den Sterbenden bringt, aber die Formen sind andersals im Ni ittelalter.
Die Tapferkeit der Ordensritter, besonders der Templer,im Kriege gegen die Ungläubigen erwarb ihnen hohen Ruhmund setzte den Nutzen einer solchen Genossenschaft ausser Zwei-fel in einer Zeit, welche gewöhnt war alles Ausgezeichnetejeder Art nur durch Brüderschaften oder Orden bewirkt zufehn. Daher stiftete der Bischof Albert ebenfalls, zur Ver-thcidigung und Ausbreitung des Christenthums in Livland,nach der Regel und Verfassung der Templer einen Ordender Brüder der Ritterschaft Christi, deren Mitglieder,weil sie neben dem Kreuze auch ein Schwcrdt auf ihren Män-teln als Abzeichen trugen, gewöhnlich Sch werdtb rüder ge-nannt wurden.
Fast jährlich langten, durch den unermüdlichen Bischof ge-reizt, Schaaren von Kreuzfahrern an und verstärkten durchneue Brüder den Orden, der den dritten Theil aller erober-ten Ländereien bekam, dessen oberste Leitung sich jedoch derumsichtige Bischof selbst vorbehielt. So wurde nun mit dem