Buch I. Sechstes Hauptstück.
unter einander; hier hatten schon früher Kaufleute aus derreichen italischen Handelsstadt Amalfi ein Kloster erbauet unddaneben ein Hospital errichtet, in welchem die oft von mensch-licher Hülfe verlassenen Pilger nach den langen Mühen derReise Erquickung, die Kranken sorgfältige Pflege fanden.Seitdem nun Jerusalem wieder in den Händen der Christenwar, erhielten die Brüder des Hospitals durch den from-men Helden Gottfried von Bouillon und dessen Nachfolger,die Könige von Jerusalem, reichliche Unterstützung zur Fördc-1100 rung ihrer Werke der Milde, trennten sich von dem Klosterund nahmen die Ordensregel der Augustiner Chorherren un-ter dem Schutze Johannis des Täufers an. Auch Ritter,welche demüthigen Dienst der Krankenpflege höher hieltenals den Kampf der Waffen, traten in den Orden dcrHospital-1118brüder des heiligen Johannes, und bald bildete sich unter ih-nen, aus der Vereinigung der Mönchsgelübde, der Armuth,Keuschheit und des Gehorsams, mit dem ritterlichen Leben sei-ner Mitglieder, eine Vermittlung des Mönchs - und Ritter-Lebens, der Ritterorden der Johanniter oder Hospitaliter,der mit seinem wachsenden Ansehn bald nach bestimmter Ord-nung aus Ritter-, Priester- und dienenden Brüdern bestand.
In derselben Zeit entstand hauptsächlich zur Verthcidi-gung der wehrlosen Pilger, die sich nur zu häufig Plünde-rungen und Mshandlungen ausgesetzt sahen, und zum Schutzeder öffentlichen Straßen durch Franzosen eine ähnliche, dochmehr ritterliche Vereinigung, welche zu jenen drei Mönchs-gelübden noch das des Kampfes gegen die Ungläubigen zumSchutze des heiligen Landes fügte. Von ihrem Sitze, in ei-nem Lhcile des königlichen Palasts an der Morgenseite dessalomonischen Tempels wurden sie die Templer genannt.
Diese Ordensformen unter denen im Mittelalter nack-allen Richtungen hin gewirkt wurde, bezeichnen dasselbe alseine Zeit, in welcher die Öffentlichkeit und Freiheit des Le-bens sich noch nicht durch die Herrscher einengen ließ unddiesen daher weder strenge Bevormundung gestattete, noch sievcranlasste und nöthig machte. Den mannichfaltigen, größerenBedürfnissen der Masse halfen so gut es ging diejenigen inVereinen ab, deren Herz sie zu Opfern auffodcrte und deren