L2 Buch I. Viertes Hauptstück.
die Gottlosigkeit der Fürsten, welche aus Geiz schonend undnachsichtig mit den Heiden verfuhren, wahrend die Geistlichenlieber gesehen hatten, alle Slaven waren ausgerottct und dasLand mit Kolonisten besetzt worden, cs auch sehr lobten wenndieses geschah; endlich zerstörte die dreimalige Empörung allerLcutizcn und Sorben nicht nur immer wieder das gepflanzteChristenthum, sondern befestigte auch von Zeit zu Zeit denalten Glauben wieder und die Hoffnung ihn mit der Freiheitbehaupten zu können. So erhielten sich bei den Leutizcn alteVerfassung, Sitten und Religion weit länger als bei den Sor-ben und begründeten bei dem an Kriege gewöhnten tapfcrnVolke den heftigen Haß und kräftigen Widerstand gegen Chri-stenthum und Knechtschaft, selbst als seine Landcsfürsten für dasChristenthum gewonnen worden waren.
Ganz anders war es bei den Polen und Pommern. Esist wie gesagt sehr wahrscheinlich, daß die früher durch diePriester fast nur auf Führung der Schaarcn beschrankte Ge-walt der Fürsten doch durch viele Kriege, glückliche Eroberun-gen oder Verthcidigung der Freiheit des Landes nach und nachhöher stieg, und daß durch die Umstande bewogen jedes die-ser Völker einen Hauptführcr wählte. Der Kriegsbefehl dau-erte länger, als die Friedenszeiten kürzer wurden, die Heerewurden stärker und an die Führer mehr gewöhnt, deren sie be-durften. Überall sind es nun hier die Fürsten, welche dasChristcnthum zuerst freiwillig annehmen und sogleich sich eif-rig um dessen feste Begründung und allgemeine Verbreitungbemühen. Hierzu scheinen sie besonders bewogen worden zusein durch die großen Vorthcilc, welche ihnen das Christcn-thnm bot. Durch dieses wurde die ihnen so gefährliche Machtder heidnischen Priester vernichtet, welche daher auch den ihnenso nachthciligcn Neuerungen den größcsten Widerstand leisteten.Dem Fürsten, als der von Gott eingesetzten Obrigkeit, gebotdas Christenthum gehorsam zu sein, und die Kirche konntenoch aus keine Weise die Fürsten beschränken, denen sie selbsthauptsächlich ihre Existenz verdankte, von denen sie Schutz undreiche Ausstattung an Gütern erhielt. Daher eben durfte Bo-lcslaus I. von Polen, der sich ausserdem durch ausgezeichneteEigenschaften und große Kriegsthaten ein ungemeines Ansehn