Einführung d. Christenthums bei d. Slaven. 21
allgemein abtrünnig wurden, während andere, wie die Leuti-zcn und Obotritcn, dasselbe dreimal wieder allgemein abwar-fcn und nur durch die härteste Gewalt endlich gezwungen wer-den kannten Christen zu bleiben? zweitens, wie geschah esdaß die slavischen Fürsten, welche in der Zeit des Heidenthumseine so sehr beschränkte Gewalt besaßen, nun sobald von ih-nen das Christenthum eingcführt worden war, mit weit grö-ßerer, ja fast unbeschränkter Macht bekleidet erscheinen?
Was zuvörderst diejenigen Stamme betrifft, welche wiedie Sorben, ohne ferner unter ihren eigenen Fürsten zu ste-hen, den Deutschen unterworfen und Christen geworden wa-ren, so wurden sie frühzeitig durch die Einrichtung der Mark-grafschaftcn von Meissen und der Lausitz, wie durch Anlegungder Burgwarten und deren zahlreiche deutsche Besatzungen undAnsiedler mitten im Lande so strenge im Zaume gehalten, dieVerbindung der Eingcborncn untereinander so scharf abge-schnitten und alle Vereinigung fast unmöglich gemacht, daß sicnie an gemeinschaftlichen Widerstand denken konnten und da-her unterworfen und auch Christen bliebe». Die Stämme derLcutizen und Obotritcn dagegen behielten ihre eigenen Fürstenund die alte Verfassung, also einen Mittelpunkt der Vereini-gung und des Widerstandes; in ihren Ländern sicherten nursehr wenige Burgwarten der Deutschen den Gehorsam desVolks, und der eigentliche Sitz der Markgrafen der sächsischenNordmark und der Herzoge von Sachsen war auf dem linkenUfer der Elbe, nicht wie der Markgrafen von Meissen undder Lausitz mitten unter den eroberten Strichen, welche ge-wissermaßen als Nebcnländcr betrachtet wurden; ferner küm-merte diese sächsischen Herzoge und Markgrafen meistensweit weniger die Sorge um Ausbreitung des Ehristenthumsals um Entrichtung des den Slaven aufgelegten Tributs; wurdedieser nur abgetragen, so mochten die Slaven immerhin Hei-den bleiben, und diese waren gewiß bereitwilliger den Tributzu geben, wenn man sic nur bei ihrem Glauben ließ. Daherzogen auch die Lcutizen, zur Hcerfolgc für den Kaiser Hein-rich kk. gegen Polen ausgcbotcn, diesem als Heiden mit ihrenGötterbildern zu, was den christlichen Priestern ein wahrerGräuel war. Deshalb klagten die christlichen Priester laut über