Die Slaven.
9
den Bildern ihrer Götter auf hohen Stangen. Sie decktensich durch den Schild und kauften schon im achten Jahrhun-derte von den Deutschen Harnische und Helme, vertheidigtensich in mit Gräben, Erd-und Holz-Wällen befestigten Plätzen,denn der Gebrauch des Mörtels zu Mauern war ihnen unbe-kannt. Hierhin flüchteten sie von Feinden überfallen, ver-brannten ihre hölzernen, oft nur von Ruthen geflochtenen Hüt-ten und verbargen ihre Sachen von Werth und ihr Korn inGruben. Sie hatten Bogen und Pfeile, Wurfkeulen, Schleu-dern und Streithammcr zum Angriffe. War auch Reiterdicnstnicht unbekannt, so stritten sie doch mehr und meistens sehrtapfer zu Fuße. Durch die vielen Kriege unter einander undmit den Deutschen schritten sie in der Kriegskunst merklichvorwärts.
Im Frieden trieben sie seit uralten Zeiten Viehzucht undbearbeiteten früh den Acker durch den Hakenpflug, besondersim Innern des Landes, wo sie Waizen, Hirse, Mohn ernte-ten und Gemüse baucten. Die Milch der Schafe tranken sie,bereiteten Butter aus Kuhmilch, Meth aus wildem Honig, dendie Wälder reichlich boten, und webten Zeuge aus selbstgc-wonnenem Flachse.
An den Meeresküsten nährten sie sich von Fischerei und,bei dem bereits starken Handel der Deutschen und Danen nachdem Norden, vom Secraube. Doch nahmen sie auch selbstThcil am Handel bis zur Newa hin und tauschten, da ihnenGeld unbekannt war, ehe sie es durch die Deutschen kennenlernten, für Leinwand von Preussen und Russen kostbares Pelz-werk ein. Wincta, die Wendenstadt auf der Insel Wollin(Julin), war im elften Jahrhunderte der Mittclpunct einesHandels, der wenigstens das Erstaunen derjenigen erregte,welche ihn kennen lernten und übertriebene Nachrichten vonihm verbreiteten. Kamen doch hier Kauflcute der verschieden-sten Völkerschaften und Religionen des Handels wegen zusam-men und fanden sichern Schutz. Wahrscheinlich verbreitetensich von hier aus durch das Innere der flavischen Lander je-ner Schmuck, Ketten, Glasperlen, metallene Höhlungen zurBedeckung der Brüste der Frauen, Armbänder, kupferne, sil-berne und goldene Ringe, römische und arabische Münzen,