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Buch I. Zweites Hauptstück.
Jene Götter, welche das Irdische leiten, wurden meistensunter sehr verschiedenen Namen und manche gemeinschaftlichvon mehreren Völkerschaften verehrt, deren auch jede ihre be-sonderen Götter hatte. Die auffallendsten Erscheinungen derNatur, welche die Gefühle des Schreckens und der Furcht oderFreude für den Menschen erregen, haben überall die erstenGötter geboren. Der slavischc Gott des Donners, Perun oderPicrnn, wurde als Pcrkunos von den Preussen verehrt, derenPotrimpos, der Spender des Glücks und der Fruchtbarkeit,wahrscheinlich der Swantewit der Slavcn war, der seinenHaupttcmpcl in Rügen auf Arkona hatte. Pikullos war denPreussen der Gott des Todes. Von manchen slavischcn Göt-tern, wie vom Nadegast in dem nennthorigen Rhctra, demTriglaff in Julin und Stettin, sind fast nur die Namen zuuns gekommen, Vieles ist durch die Dichtungen spaterer Zeitenentstellt worden.
Die Götter wurden unförmlich, dem rohen Geschmacke desVolks gemäß, in Holz, auch wohl schon in Metall abgcbildctund auf sehr verschiedene Weise, nach ihren Beziehungen aufden Menschen, in heiligen Hainen, in Preussen bei derheiligen Eiche zu Romowe, und in hölzernen, durch Schnitz-werk und Farben verzierten Tempeln ausgestellt und verehrt,denen sich kein Ungcwcihtcr bei Todesstrafe nahen durfte. DieErstlinge der Früchte und Erzeugnisse der Viehzucht, auch Men-schen wurden ihnen geopfert und ein Theil dcr° Kriegsbeutedargcbracht. Jeder Einwohner Rügens trug dem Swantewitein Kopfgeld, Seefahrer und Kauflente Zoll, Auswärtige fürOrakel Geschenke ab. Dreihundert Krieger, im Dienste desGottes, zogen auf Beute zu Lande und zu Wasser umher.
Ohne den Willen der Götter durch die Priester zu er-forschen, wurde kein Krieg angefangcn, kein Friede geschlos-sen. Jeder freie wehrhafte Mann war Krieger, und daherihre Zahl, besonders in Preussen, verhältnismäßig sehr groß.Wir finden sie bereits nicht mehr ganz unbekannt mit den er-sten kriegerischen Einrichtungen. Sic zogen geschaart, wie frü-her Griechen und Römer und Deutsche, später Mongolen, inAbthcilungcn von zehn, hundert, tausend unter ihren Rich-tern als Heerführern aus, mit ihren heiligen Fahnen und