in der Ober-, die Lusizer in der Nieder-Lausitz. Nördlich vonihnen bis zur Eldc, Warnow und den Odermündungen saßendie tapferen und von ihren Nachbaren gefürchteten Leutizen,ebenfalls viele Völkerschaften, Hevellcr, Ukern, Mürizer, To-lenser, Warnawer, an deren Namen noch die Flüsse und Seendieser Gegenden erinnern; noch nördlicher bis zur Ostsee fin-den wir die Polaber, an der Elbe (Labe) bei Ratzeburg, dieObotriten in Meklenburg. Die Karpathen und Sudeten, woWeichsel, Oder und Stir entspringen, hatten die Belochro-baten (weisse Chrobaten) inne, mit ihrem Hauptorte Krakau.Die weiten Ebenen der Weichsel und ihrer Nebenströme aufdem rechten Ufer bis zurOssa und Drewenz gehörten den Ma-suren; auf dem linken Ufer bis zur Netze und Oder herrschten die-Polen mit ihrem Hauptorte Gncscn; die Pommern warenzwischen die Mündungen der Oder und Weichsel bis zum Meerehin gedrängt, und die Rugianer hatten die Insel ihres Na-mens und das Land das ihr gegenüber liegt'). Zwischenden Ausflüssen der Weichsel und des Niemen hin waren sla-vische mit deutschen und vielleicht hauptsächlich mit den östlicherwohnenden lettischen Stämmen vermischt zu einem Volke er-wachsen, Pruzen oder Preusscn genannt,
Die Slaven waren von gedrungenem, kräftigem Körper-baue, ohne sich durch besondere Größe auszuzeichnen, fleischig,doch ausdauernd gegen Hitze und Kälte, Hunger, Durst undUngemach jeder Art, wie noch jetzt. Der Preussen schlankere,höhere Gestalten, blaue Augen und goldgelbes Haar schienenihre thcilweise deutsche Abstammung durchblicken zu lassen.
In den frühesten Zeiten war jeder freie Slave dem an-dern gleich und kein erblicher Adel bekannt. In öffentlichenVersammlungen wurde alles Gemeinschaftliche mit dem Willender Mehrheit beschlossen. Nach und nach traten die Reicheren,die Bojaren, als Adel vor den gemeinen Freien hervor, dochohne Geburtsvorrechte über diese, ausser daß sie wahrscheinlichvorzugsweise zu Richtern im Frieden (Supancn), im Kriege
1) Vincent Kadlubek, ein historisch-kritischer Beitrag zur stavischenLiteratur, aus dem Polnischen des Grafen Offolinski von Linde, ist hierund öfter benützt worden.