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Buch VI. Zweites Hauptstück.
schlagen, ging er nach Wien und wurde katholisch, kam nach Ivielen Jahren wieder nach Wusterhausen, machte große Fode- ?rungen, erhielt wirklich eine Professur in Halle und nach
vielen lüderlichen Streichen den Staupbesen '). Unter die-sen Umstanden kam es dahin, daß für die königliche Biblio-thek im I. 1734 nur für 4 Thaler, im I. 1735 für
5 Thaler, in vielen Jahren gar keine Bücher angeschafft
werden konnten. Aus dem Verkaufe der Dubletten musstendie Kosten der Heizung der Lest- und Arbeitszimmer und
die unbedeutenden Bücherankäufe bestritten werden. Einigeneue Werke überwies der König der Bibliothek, unter ande-ren den vom Hauptmann Michal gezeichneten Atlas vonSchwaben, welchen er mit 400 Ducaten bezahlt hatte. Ausder vom Minister v. Plotho hinterlassenen Bibliothek wollteer zwar einige Werke gegen Dubletten der königlichen Biblio-thek eintauschen, allein kein baares Geld dafür verwenden.Ausser den 2000 Banden an die Akademie der Wissenschaftenmusste die Bibliothek auch (1737) alle Musikalicn an den Mu-sikdirector Sydow abgeben. Allein streng wurde auf die vonFriedrich I. eingeführte Ablieferung zweier Exemplare der beiinländischen Buchhändlern erschienenen Bücher gehalten, welcheindessen sicher von sehr geringer wissenschaftlicher Bedeutungwaren. Die Anzahl der Bande der Bibliothek betrug bei demTode des Königs wahrscheinlich etwas über 72,000, die Zahl §der Handschriften, welche seit dem großen Kurfürsten wenig ivermehrt worden waren, kaum 2000 Bandes.
Fast ebenso wie der königlichen Bibliothek ging es denUniversitäten. In Halle war Vieles von den EntwürfenFriedrichs I. noch nicht ausgeführt. Zu dem fehlenden anato-mischen Theater gab der König zwar das Gebäude des ehema-ligen fürstlichen Schauspielhauses her, allein der Professor derAnatomie war genöthigt, es auf seine eigene Kosten einzurich-ten, welche dann immer der Nachfolger den Erben seines Vor-gängers ersetzen musste. Glücklicherweise unterhielt das Wai-senhaus ein klinisches Institut, welches sowie eine öffentliche
1) Faßmann I. S. 1027.
2) Wilkens Gesch. der königl. Bibliothek S. 68 ff.