Gundling.
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Der Minister v. Dankelmann hatte ihn nach Berlin gezogen,wo er spater an der vom Könige Friedrich I. neu gestiftetenRitterakademie als Professor des bürgerlichen Rechts, der Ge-schichte und Literatur angestellt und auch Historicus des umdiese Zeit errichteten Oberhcroldsamts wurde. Mit Aufhebungdesselben und der Ritterakademie verlor er seine Besoldung undgeriet!) unstreitig in große Noth. Es mag sein, daß er seit-dem in mancherlei Gesellschaften, vorzüglich zu dem lustigenWein- und Bierschenken Blensel kam, wo er mit seiner Ge-lehrsamkeit prahlte und die Gaste durch Erklärung der neuestenpolitischen Ereignisse ergötzte, dafür im Trinken frei gehalten,sich den Trunk angcwöhnte und zugleich wegen seiner schmuzi-gen Kleidung und Pedanterie zum Gelachter und mit demSpottnamen des leipziger Polterhanses belegt wurde.
Der König unterhielt sich nun in seiner Abendgesellschaft(Tabakscollegium) öfters auch über politische Angelegenheitenund wollte aus den berliner, Hamburger, leipziger, bres-lauer, wiener, den französischen und holländischen Zeitungen,welche er hielt, gern das Wichtigste wissen ') und auch wohlerläutert haben. Bei der in seiner Umgebung allgemein herr-schenden und durchaus nicht schändenden Unwissenheit konnteer selten die gewünschte Auskunft erhalten, er suchte dahereinen Menschen, der ihm die aus den Zeitungen und der Ge-schichte wissenswürdigen Nachrichten vortrüge. Der MinisterGrumbkow schlug dazu den Paul Gundling vor, welcher da-rauf zum Hofrathe und Zeitungsreferenten angenommen wurdeund freie Tafel am königlichen Hofe erhielt. Seitdem befander sich täglich in der Gesellschaft des Königs, welcher ansing,vor den ausgebreiteten Kenntnissen Gundlings eine gewisseAchtung zu fassen, so daß er sich oft und gern mit ihm un-terhielt. Er ertheilte ihm daher schnell hinter einander die Ti-tel als Kammer-, Kriegs-, Geheimer-, Oberappellations- undKammergerichtsrath mit der Freiheit, allen Sitzungen dieserCollegien beizuwohnen, seine Meinung zu sagen und ihm Be-richt zu erstatten. Dadurch wurde er bei der Persönlichkeitdes Königs ein sehr gefürchteter Mann, der Anderen hätte
1) Faßmann I. S. 960.