312 Buch VI. Zweites Hauptstück.
rend dieser Beschäftigungen nahm er, wenn er gut gelauntwar, Bittschriften an. Um 12 Uhr speiste er, vier Gerichte,Hausmannskost, kräftige Speisen, wie sie auf dem "Tische wohl-habender Bürger und Gutsbesitzer gewöhnlich waren ^), rittoder fuhr dann meistens aus, von einem Pagen oder Bedien-ten begleitet und immer aufmerksam auf Alleß, was ihm be-gegnete, ertheilte nach seiner Rückkehr die Parole, besorgte nocheinige Geschäfte und ging um 5 oder 6 Uhr in seine Abend-gesellschaft-).
Diese, gewöhnlich das Tabackscollegium genannte Gesell-schaft war für die Regierung und Verwaltung, ja für alle In-teressen des Staats von der höchsten Wichtigkeit; man könntesie fast das eigentliche geheime Cabinet oder doch den gehei-men Staatsrath Friedrich Wilhelms I. nennen.
Der König sprach gern mit seinen Beamteten und Unter-thancn und liebte eine möglichst ungezwungene Unterhaltung,sowohl bei der Mittagstafel, als besonders Abends, wenn ervon den Anstrengungen des Tages einigermaßen ermüdet, sicherholen wollte. Schauspiele und Concerte fanden nicht statt,daher lud er in Berlin und Potsdam zu seiner täglichen Abend-gesellschaft, welche in der Regel von 5 bis 9 Uhr dauerte,seine Generale, Stabsossiciere und Minister, auch wohl aus-wärtige Gesandte, wie den kaiserlichen Seckendorf, den Hol-länder Ginkel zuweilen, ausnahmsweise sonst einen und denanderen Mann, der ihn interessirte; doch durfte nur, wer ge-rufen war, erscheinen. Weil der König gern Taback rauchte,so sah er es gern, wenn das jeder Gast that, oder wenigstenswie der Fürst Leopold von Dessau und der kaiserliche GesandteSeckendorf eine von den holländischen Thonpfeifen in den Mundnahm, welche auf dem Tische lagen. In kleinen geflochtenenKörbchen stand holländischer Taback, in kupfernen Pfännchenglimmender Torf, auf einem Nebentische aber ein Topf mitguter Butter, ferner Brot, Braten oder Schinken, wovon einjeder Gast nach Belieben nehmen konnte, und dazu auf seinem
1) Bcnekendorf l. S. 83.
2) Faßmann 1. S. 859- Bcnekendorf l. S. 91. Morgen-stern S. 161.