Garantievertrag Peters 1. u. Friedr. Wilh. I. 259
wand, um ihm Stettin vorzuenthalten'). Er schrieb daheran den König von Preussen, er habe schon den HamburgerVertrag Wellings mit dem Administrator von Holstein (v. 21 . 1714'Juni 1713) gcmisbilligt, wolle daher auch mit dem, was derKönig in Schwedt (6. Oct. 1713) vertragen und der Zaarnicht einmal genehmigt, nichts zu thun haben, weil es ohneseine Zustimmung mit seinen Feinden verhandelt worden. We-gen der 400,000 Thaler, für welche Friedrich Wilhelm Ent-schädigung in Anspruch nehme, möge dieser sich an Holstein-Gottorp halten 2 ). Dieses war aber ohne alle Aussicht, sieje bezahlen zu können. Karl verbot auch dem schwedischenSenate ausdrücklich, den Frieden zu verhandeln und bestandvorläufig auf Rückgabe aller seiner deutschen Länder-
Das machte den König von Preussen, dessen Liebe zumGelde sehr groß war, wegen der von ihm wirklich vorgestreck-ten 400,000 Thaler und anderweitig aufgewcndetcn Kosten be-sorgt, brachte ihn gegen Karl auf und wendete ihn völlig vonSchweden ab und den nordischen Verbündeten, vorzüglich demZaare Peter I. zu, welcher ihm mehrmals Stettin angebotenhatte, dessen Besitz er nun sehnlich wünschte. Er ging dahernunmehr auf dessen Vorschläge ein und schloß mit ihm einen 12. Junigeheimen Garanticvertrag, in welchem Peter I. dem Königefür den künftigen Frieden Stettin und den dazu gehörigenDistrict, dieser dem Zaare die Provinzen Jngcrmannland undCarelien mit den Städten Wyborg und Narwa, ferner Esth-land mit der Stadt Reval gewährleistete ^). Seitdem warPreussen, wenn auch anfänglich noch nur sehr geheim, festmit Peter I. und gegen Schweden verbunden, dieses aber, ohnees zu wissen, aller Aussicht auf Rettung seiner deutschen Pro-vinzen beraubt.
1) Tagebuch Peters I. §. 373. Vergl. Faßmann 1. S. 124.
2) Noräderx III. x. 127.
3) Tagebuch Peters 1. §. 346. Peter ratificirte diesen Vertrag am16. Sept-, er ist von allen Geschichtschreibern Preußens und auch vonSchöll, Ulst, äes traites etc. (von diesem wohl absichtlich) übersehenworden, verändert aber natürlich die Ansicht über das nun zwischen Preus-sen und Schweden cingetretenc Verhältniß völlig.
17