genheit. Nach einigem Zögern antwortete der Scheick Cherkaui,ein ehrwürdiger Greis: „Warum wirst Du nicht Muselmann mitDeinem Heer? Hundert tausend Mann würden sich unter DeineFahnen begeben, die, wenn sie wie Deine Truppen disciplinirt wä-ren, das Vaterland Arabien wieder Herstellen und den -Orient unter-werfen würden." Er machte ihm Einwürfe in -Betreff der Beschnei«düng und des Verbots Wein zu trinken, indem der französischeSoldat diesen Trank nicht entbehren könne. Nach einigen Dis-kussionen über diesen Gegenstand kam man dahin überein, daß diegroßen Schcicks von Zcmil und Azar auf Mittel denken würden,jene beiden Hindernisse zu heben. Der Streit wurde lebhaft unddauerte drei Wochen. 2n ganz Egypten verbreitete sich daS Ge-rücht, daß die großen Scheicks damit umgingen, die französischeArmee zu Muselmännern zu machen und die Herzen aller Gläubi-gen waren dadurch erfreut. Schon fühlten die Franzosen, wie sehrdie allgemeine Stimmung sich verbessere; sie wurden jetzt nicht mehrals Diener falscher Götzen betrachtet. Sobald die lllmas einigwaren, erließen die vier Muftis einen Fctam, worinnen sie erklär-ten, daß die Beschneidung nur ein vollkommener Zustand, aber nichtdurchaus nothwcndig sei um ein Muselmann zu werden; in jenemFalle könnte man aber nichr hoffen, daS Paradies des zukünftigenLebens zu schauen. Die Hälfte der Schwierigkeit war sonach ge-hoben und es hielt nicht schwer, den Muftis begreiflich zu machen,daß der zweite Theil ihrer Entscheidung nicht der Vernunft gemäßsei. Dies war denn der Gegenstand der Diskussionen anderer sechsWochen. Endlich erklärten sie, man könne Muselmann seyn unddennoch Wein trinken, wenn man nur den fünften Theil seinesEinkommens, anstatt des zehnten, zu Werken der Wohlthätigkeitverwende. Der Obcrgeneral ließ jetzt den Riß zu einer Moscheefertigen, größer als die von Zcmil und Azar. Er erklärte, daß ersie zum Andenken an die Bekehrung seines Heeres aufbaurn lassenwerde, wollte aber eigentlich nur Zeit gewinnen. Die Schciks er-ließen den Fctam des Gehorsams, und erklärten Napoleon für einenFreund des Propheten, der unter dessen besonderm Schutze stehe.Allenthalben vernahm man die Sage, die ganze französische Armeewerde vor Ablauf eines Jahres den Turban tragen. Auf dieserLinie hat sich Napoleon immerwährend gehalten; er suchte seinenVorsatz, der Religion, in der er geboren war, creu zu bleiben, mirden Bedürfnissen der Politik und seinen Absichten zu vereinigen.Nur allein der General Menon ist während des dortigen Aufent-haltes der Armee Muselmann geworden, was allerdings von Nutzenund guter Wirkung war- Als späterhin die Franzosen Egypten ver-ließen, blieben nur fünf bis sechs hundert Mann zurück, die unter
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