Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
361
Einzelbild herunterladen
 

361

um mich haben. Ich war ein junger Mensch, der seinenHomer und Virgil laS, und sich schon über die kritischenSchriften der Sachsen im Stillen ärgerte, als mir Ihreund Breitingers in die Hände fielen. Ich las, oder viel-mehr ich verschlang sie; und wenn mir zur Rechten Homerund Virgil lag, so halt' ich jene zur Linken, um sie immernacbschlagcn zu können. O, wie oft wünscht' ich damals,Ihre versprochne Schrift: Vom Erhabnen, schon zu be-sitzen, und wie wünsch' ich cs jetzt noch! Und als Milton,den ich vielleicht, ohne Ihre Uebersetzung, allzuspät zu sehenbekommen hätte, mir in die Hände fiel, loderte das Feuer,das Homer in mir entzündet hatte, zur Flamme auf, undhob meine Seele, um die Himmel und die Religion zu singen.Wie oft Hab' ich das Bild des epischen Dichters, das Siein Ihrem Critischen Lobgedichte aufsicllten, betrachtetund weinend angcstaunt, wie Cäsar das Bild Alexanders;wie oft ergriff nicht

-das wallende Herz mir

Aengstliche Furcht und auf's höchste gespannt des Lobes Begierde.

Das sind nun Ihre Verdienste um mich, freilich nochschwach genug dargcstellt. Doch, wenn Sie wollen, könnenSie noch Größeres an mir thun. Der Messias ist kaumangefangen. Hab' ich so gesungen, dap ich Ihren Beifallverdiente, so werd' ich fernerhin noch Größeres singen;

denn mich erwartet der Thaten nun größere Reihe,

Größeres Werk beginn' ich.

Aber es fehlt mir an Muße. Und da ich von gebrechlichemKörper bin, und, wie ich vermuthen kann, mein Leben nichthoch bringen werde, so ist meine Hoffnung, den Messiasvollenden zu können, sehr klein. Cs wartet meiner irgendein lästiges Amt; wie wollt' ich unter seinem Drucke den