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10 (1844)
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aushalten? Er hört uns mit gesetztem Wesen an, und ohnedie geringste Gegenanklage in seinem Betragen zu zeigen. UnserTadel war, weil wir ihn nicht genug kannten, in verschiednenStücken nicht gegründet. Er sagt uns dieß mit eben deredlen Freimüthigkeit, mit welcher er dasjenige, was er wahrdarin fand, zngestanden hatte. Ein Versehn bloß durchWorte zugeben, ist nur ein halbes Geständnis'. Dieß istihm nicht genug. Cr verbessert daher dasjenige, worin ergefehlt zu haben überzeugt worden war. Ist es uns nunnoch zn zweifeln möglich, daß Philint die schönste derTugenden in einem sehr hohen Grade besitze?

Es ist gewiß! Selten, sehr selten, findet man einenPhilint. Aber derjenige, der ihn für eine moralischeChimäre hält, scheint mir wenig Ansprüche auf den Besitzder übrigen Tugenden machen zu dürfen. Er kann gewisseVerdienste haben; allein die wahrsten, deren Mangel allenübrigen sehr nachtheilig ist, hat er nicht.

Die nachgeahmte Bescheidenheit, dieser kluge Stolz, be-sticht den Stolz andrer, und erlangt dadurch diejenigenkalten Gegendienste, die Bestochne zu erzeigen pflegen. Undwelch eine unnütze Verschwendung sind alle vorigen Bestechun-gen, wenn der andre entdeckt, daß er mit falscher Münzebestochen wird!

Derjenige, dem es noch gar nicht eingefallen ist, daß erdie Bescheidenheit für eine von den liebenswürdigsten Tugendenzn halten habe, die er ausüben kann, oder der, bei dem siedem Stolze noch zu sehr unterliegt, wird, durch die Beobach-tung folgender drei Punkte, gut anfangen, oder auf demschon betretnen Wege glücklich fortgehn.

Er gewöhnt sich, alle Dinge vornämlich in dem Gesichts-punkte anzusehn, der ihren eigentlichen Wer th entscheidet.