Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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Von der Bescheidenheit.

Ausdem Nordischen Aufseher" 1. Bd. 28. St.

Die Bescheidenheit ist nicht nur ein richtiges Urthcil, daswir über den eigentlichen Grad unsres Werthes fällen, und,durch unser Betragen, auf eine ungezwungne Art andern zuerkennen geben: sie ist auch eine beinah furchtsame Sorgfalt,daß wir dennoch in diesem Urtheile, wie streng und un-partheiisch wir auch gegen uns gewesen sind, geirrt und unsmehr gute Eigenschaften zugeschrieben haben möchten, alswir wirklich besitzen. Wenn dieses letzte nicht wäre, so würdeman einen Bescheidnen zwar hochachten, aber ihm nicht dieLiebenswürdigkeit zugestehn, die selbst den Stolzen für ihneinnimmt. Der Bescheidne hat, außer den angeführtenKennzeichen, auch noch dieses, daß er es nicht allein gar nichtzu scheinen affektirt, sondern diesen Schein so sehr vermeidet,daß sich über alle seine Handlungen diejenige Natürlichkeitund edle Einfalt ausbreitet, die auch dann schon, wenn sienicht von der Bescheidenheit entsteht, und nur die Folgeeines offnen und freien Charakters ist, einen Mann vonVerdiensten entdeckt. Aber nur derjenige, der mit großenVerdiensten gleiche Tugenden verbindet, oder vielmehr, derdurch die Ausübung seiner Pflicht, gegen welche alle andre