u r t b e i l e
über die poetische Composition einigerGemälde.
Aus dem Nordischen Aufseher 3. Bd. 173. S.
Man urtheilt von den schonen Knusten nicht richtiggenug, wenn man allein bei dem -Vergnügen stehen bleibt,das sie uns machen. Und gleichwohl gicbt eS unten denfeinsten Kennern derselben nicht wenige, welche sie bloß vondieser Seite ansehn. Dieses Vorurtheil kann junge Leute,welche bei der Wahl ihrer künftigen Lebensart nicht ihremGenie allein folgen, sondern auch aus moralischen Gründenhandeln wollen, von dem Vorsätze, durch eine der schönenKünste groß zu werden, abscbrecken. Es kann überdieß auchden Einfluß haben, daß die Bemühungen derer, welche dieschonen Künste zu kennen und zn befördern suchen, für ge-ringschätzig gehalten werden.
Ich will jetzt nicht von der Musik, sondern nur von denenKünsten reden, die fürs Auge arbeiten. Welche Eindrückekann der Zeichner und derjenige, der den Entwürfen desselbenim Marmor, oder durch Farben, oder auf der Kupferplattefolgt, welche Eindrücke können sie auf unser Herz machen.