müssen, wenn es sich nicht erlauben dürste, an der Allgemein-heit jenes Satzes zu zweifeln. Haben zum Erempel dieGriechen die Vorstellungen ausdrücken können, die wir unsvon Engeln machen müssen? Aber wie vortrefflich haben sienicht oft die Götter vorgestellt. Sollten wir nicht die Engelso machen? Gewiß nicht völlig so. Wir sollten jene Vor-stellungen der Götter übertreffen. Bisher zwar sind wirvon diesem Uebertreffen sehr weit entfernt gewesen. Wirmalen Kinderchen, Frauenzimmer, und wenn wir nnS rechthoch schwingen, schöne Jünglinge, geben diesen FigurenFlügel, und bilden uns ein, Engel vorgestellt zu haben.Sv gar Raphaels Michael ist ein Jüngling; und er solltedoch wenigstens ein Jupiter seyn, der eben gedonnert hat.Wenn nun Raphael vollends einen Todescngel hätte machensollen, z. E. einen, durch dessen bloßen Anblick der crstge-borne Sohn Pharaos niedersinkt. Michael Angelo also, wirdman sagen. Nein der auch nicht. Denn er übertrieb zu oft.Der Contour des wahren Großen ist sehr fein. Wenn dieHand nur ein klein wenig ruckt; so kann es übertriebenwerden. Wer also? Vielleicht ein noch nngcborner Künstler,dem es aufbchalten ist, die heilige Geschichte würdig vor-zustellen, nämlich die meisten schon oft wiederholten, neu,und dann viele sehr erhabne, die noch niemals gemacht wordensind. Wie würde ich mich freuen, wenn er schon lebte, unddieses läse. Er ist es, der noch viel was anders sagen würde,als die Griechen haben sagen können. Gott vorzustellen,würde er sich niemals unterfangen, niemals! Aber den Ver-söhner der Menschen einigermaßen würdig abzubilden, würdeer alle Kräfte seines Genies anstrengen, und sich den großenEmpfindungen, welche die Religion giebt, ganz überlassen.
„Die Kenner und Nachahmer der griechischen Werke finden