Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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eine ganz neue Scene der Einbildungskraft geführt. Hierkann er besonders seinem großen Zwecke am nächsten kommen,den Bildern solche Züge zu geben, daß er zugleich den Ver-stand beschäftigt, oder die Empfindungen des Herzens in Be-wegung setzt. Einfalt und Hoheit sind hier die Züge derletzten Hand.

Und welche erstaunungswürdige Wahrheiten legt die Re-ligion dem Verstände vor! Wie bringen diese in unsre Seelediejenige Hoheit zurück, die ihr angeschaffen war! Und wievielseitig sind sie! Jeder ihrer Zweige giebt dem Wandrer,der von Kleinigkeiten ermüdet war, einen Schatten, unterdem er ausruhn, und sein wahreres Leben athmen kann.Sepd vollkommen, wie Gott! sagte der große Stifter unsererReligion. Wenn der Dichter diese Wahrheiten nicht verge-bens sagen will; so muß er sie so sagen, daß sie das Herzeben so sehr als den Verstand beschäftigen.

Das Herz ganz zu rühren, ist überhaupt, in jeder Artder Beredsamkeit, das höchste, was sich der Meister ver-setzen, und was der Hörer von ihm federn kann. Es durchdie Religion zu thun, ist eine neue Höhe, die für uns, ohneOffenbarung, mit Wolken bedeckt war. Hier lernen der Dich-ter und der Leser einander am gewissesten kennen, ob sieChristen sind. Nichts geringers darf derjenige seyn, der hierunser ganzes Herz bewegen; und der, welcher hier den Dich-ter ganz empfinden will. Denn wird der Dichter, auch mitdem glücklichsten Genie, ohne wirkliche Empfindung der Schön-heit der Religion, und ohne eine Rechtschaffenheit des Her-zens, die nicht schimmern, noch viel weniger glänzen will,diese Bewegungen in uns Hervorbringen können?

Der Freigeist, und der Christ, der seine Religion nurhalb versteht, sehn da nur einen großen Schauplatz von