184
Werthing. Der Trochäus eilt zwar nicht, wie derJambus, mit dem er allein verglichen werden kann; alleiner geht doch auch nicht langsam fort.
Selmer. Nicht das Zeitmaß der Sylben überhaupt,sondern dasjenige, was durch ihre Stellung genau bestimmtwird, kommt hier in Betrachtung. Diese beiden Füße müssengar nicht verglichen werden, weil sie, durch die Sylbenstellung,einen Kontrast machen.
Werthing. So hatten denn die Redner unrecht, wennsie da, wo sie eilen wollten, den Trochäus oft setzten?
Selmer. Haben Sie diese Anmerkung bei Lesung desJsokrates gemacht?
Werthing. Hephästions Schvliast macht sie.
Selmer. Ich besinne mich zwar nicht; aber vielleichtbenennte der Scholiast den Tribrachys mit dem NamenTrochäus. Denn so hieß der Tribrachys, da man Trochäus,nach der später» Bedeutung, noch Choreus nannte.
Werthing. Mir kommt es gleichwohl noch immer vor,daß der Trochäus einige Schnelligkeit habe.
Selmer. Fällt Ihnen nicht ein, daß die tragischenDichter der Griechen nur dann trochäische Verse wählten,wenn eine ihrer Hauptpersonen sehr klagte?
Werthing. Aber verbanden sie nicht auch in dieserVersart den langsamen Spondeus mit dem Trochäus?
Selmer. Sie wiederholten nur sehr selten denselbenFuß. Dieß war wenigstens die Eine Ursach. Und dannsollte die Klage noch langsamer gehört werden, als es durchden Trochäus allein geschehen konnte.
Werthing. Wenn ich nun aber behauptete, daß derVers, ohne den Spondeus, noch nicht langsam gewesenwäre?