Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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175
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Sylben jemals eine so leichte Kürze haben werden, als diegriechischen. Aber treiben Sie auch die Vorstellung von dieserLeichtigkeit nicht zu weit. Die Griechen lassen viele Sylbenkurz, auf welche zwei Konsonanten folgen. Und auch ihrelangen Vokalen und Diphthongen dürfen kurz gebraucht wer-den, wenn sie nicht vor Konsonanten stehn. Noch Eins, dasSie vielleicht bisher nicht geglaubt haben, und das doch sehrwahr ist. Die Griechen haben mehr zweifelhafte Sylben alswir; ich meine diejenigen, die von ihren Dichtern bald alslange, bald als kurze gesetzt sind.

Werthing. Wundern Sie sich nicht so sehr, Heiners,denn Selmer hat recht. Wenn von gewissen Konsonanten(ihre Dahl ist nicht klein) zwei so auf einander folgen, daßsie leicht ausgesprochen werden können, und nach einem kurzenVokal, oder nach einem von unbestimmter Zeitdauer, stehen;wenn da, wo solche Vokale das Wort endigen, das folgendemit zwei Konsonanten anfangt; wenn ein vorhergehendesWort mit einem langen Vokale oder Diphthongns schließt,und das darauf folgende mit einem Vokal anfängt; (ich über-gehe das Ungewöhnlichere, da der folgende Vokal in der Mitteder Worte eben diese Ungewißheit macht) wenn diese ange-führten Bedingungen da sind: so hat der griechische Dichterdie völlige Erlaubniß, die kurzen und langen Vokale und dieDiphthongen zu brauchen, wie er will. Sie werden mirzugestehn, daß die zweite Bedingung allein schon zureichendist, der griechischen Sprache mehr zweifelhafte Sylben zugeben, als die unsrige hat; denn viele ihrer Worte endigensich mit kurzen und solchen Vokalen, deren Zeitmaß nichtfestgesetzt ist, und nicht wenigere fangen mit zwei Konso-nanten an.

Minna. Also hatte bei den Griechen das folgende Wort