Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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169
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von einer Nebenschönheit der Poesie; sondern wir sprechenauch, welches noch viel ärger ist, umständlich davon.

Minna. Sagen Sie mir, wovon Sie sprechen.

Selmer. Von der Kunst des Verses.

Minna. Nun seh' ich wohl, warum Sie mich fort ha-ben wollen. Wenn ich sonst vom Sylbenmaße etwas wissenwollte, so fertigten Sie mich damit ab, daß mich die Theoriedesselben gar nichts anginge; und daß es genug wäre, wennich nur die Worte richtig ausspräche, und die Leidenschaftdes Gedichts durch das Bischen Stimme, das ich habe, aus-zudrücken suchte. Wenn mir dann die Verse gefielen, so hättees der Dichter gut gemacht; und wenn sie mir nicht gefielen,so wäre es nicht meine Schuld. Aber nun sch' ich wohl,daß ich doch mehr zu wissen brauche.

Selmer. Wer hat Ihnen denn gesagt, daß Sie nochwehr zu wissen brauchen?

Minna. Sie irren sich sehr, wenn Sie glauben, daßSie aufhören dürfen. Kurz, ich will alles wissen, wovonSie sich mit unfern Freunden umständlich nnterredcn mögen.

Selmer. Noch einmal, Sie kennen die Gefahr nicht,der Sie sich aussetzen. Sie würden sogar griechische Versemit anhören müssen, wenn wir fortführen.

Minna. Fahren Sie fort, und zwar jetzt gleich.

Seltner. Gut denn, weil Sie cs schlechterdings so wollen,aber unter einer Bedingung, wegen deren zu genauen Er-füllung Sie mir niemals Vorwürfe machen müsse:-'..

Minna. Und welche ist denn die merkwürdige Be-dingung ?

Selmer. Daß wir vergessen dürfen, daß ein Frauen-zimmer unsre Auhörerin ist.

Minna. Ich bitte es-mir ausdrücklich aus, dießzu vergessen.