Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
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Heiners. Ich bin kein solcher Verächter der Versifika-tion, als Sie mir Schuld geben. Aber darin wcrd' ich wohlniemals Ihrer Meinung werden, daß wir von Opitzens Verseabgehn, und die Griechen nachahmen sollen. Erst der Ge-danke, dann der Ausdruck. Das sind die beiden Hauptsachen.Wenn wir hierauf unfern alten Vers gut machen, so habenwiralle-s gethan, was unverwöhnte Leser von uns fodern können.

Selm er. Es ist bisweilen so übel nicht, vvrnämlich fürdie Verwöhnten zu schreiben, oder gar, wenn man kann, sienoch mehr zu verwöhueu. Außerdem redeten sie nicht richtiggenug, indem Sie die Kunst des Verses von dem Ausdruckeabsonderteu. Sie gehört mit dazu. Ich denke mir die Sacheso: Erst der Inhalt, hierauf der Ausdruck, das ist Worte,die dasjenige bestimmt bedeuten, was wir damit sagen wollen,indem sie zu dieser Absicht sorgfältig gewählt und geordnetsind; die denjenigen Wohlklang haben, der zu der vorgestclltenSache gehört und die durch die Bewegung, welche ihre Län-gen und Kürzen hervorbringeu, noch mehr und noch lebhafterdasjenige bedeuten, was sie bedeuten sollen.

Werthing. Keinen Einwnrf Hierwider, Heiners, damitwir gleich zur Sache kommen. Halten Sie, Sclmer, denWohlklang, oder die Bewegung der Worte für mitbedentendcr?

Seltner. Die Bewegung, und zwar in hohem Grade.

Werthing. Wenn Sie recht haben, wie cs mir vor-kömmt, daß Sie haben, so muß uns dieß in Absicht auf unsreSprache sehr angenehm scyn. Denn ihr fehlt bisweilen der-jenige Wohlklang, welcher sanfte Gegenstände ausdrückcn hilft;allein sie ist desto geschickter, zwar nicht alle Vcrsarten derGriechen, aber doch sehr mannichfaltigc und bedeutende zuhaben.

Selmer. Gleichwohl ist mir's oft nahe gegangen, daß