Druckschrift 
10 (1844)
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110

lieber will, ein Daktyl" und er darf es auch nicht thun; denner kann ja nicht wissen, wie der Prosaist die zweizeitige Sylbewolle ausgesprochen haben.

Ich bin gewiß, daß Longin auch die dritte Regel, ihremganzen Umfange nach, im Sinne hatte, wenn er fagtc:DerRhythmus reißt die Quantität mit sich fort, wie er will."(Longin unterscheidet den Rhythmus vom Sylbenmaße. Obsein Unterschied philosophisch sey, oder nicht, braucht hiernicht untersucht zu werden. Gcnung, daß er in dieser Stellenichts anders meinen kann, als waS in folgender Anmerkungvon ihm liegt:Pros ist kurz; es steht aber anstatt einerLänge, wenn Homer sagt: ProS oikon Päläos, weil derFuß ein Spondee seyn muß.")

Auch Dionys dachte wohl die dritte Regel in keinem klei-neren Umfange, da er der Abweichungen von der Sylbenzeit,welche die Griechen dem Musiker wie dem Dichter, ich weißnicht, ob erlaubten, oder verziehen, (bei dem ersten beleidigtes das Ohr noch mehr) auf folgende Art erwähnte:ImSprechen wird die Sylbenzeit nicht gewaltsam umgekehrt,sondern man behält die langen und kurzen Sylbcn, wie siesind; allein im Gesänge wirft man sie, durch Vermehrungund Verminderung, gleichsam herum, so daß oft das Ge-gentheil von dem, was seyn sollte, hcranskömmt." DieseVermehrung und Verminderung ist eben das, was ich Kür-zendehnung und Kürzung der Länge heiße; und jener fort-reißende Rhythmus nichts anders, als was ich oben, ohneein solch Blatt vor dem Munde, Sylbenzwang nennte.

Aber wir Neuern haben auch griechische Prosodien geschrie-ben, und in diesen steht denn nun freilich vielerlei, wovondie Griechen nichts wußten, als da ist: Die Selbstlaute äund o o und die Doppellaute sind in diesem, und dem, und