106
die Kürze lang." Daß also der Deutsche den größeren Feh-ler beinah gar nicht beging.
(CS versteht sich von selbst, daß ich hier diejenige Kürzen-dehnnng der Griechen nicht meinen könne, die mir es znseyn scheint, die aber bei ihnen regelmäßige Länge ist. ESist hier bloß von denen langgebranchten Kürzen die Rede,welche es nach ihrer Prosodie sind.)
Am besten läßt sich die Verlängerung der Kürze nochvcrtheidigen, wenn diese den Abschnitt des Verses macht,
als: Ä men Odüssäos, schrecklicher Heerschaareu.Man muß nicht sagen, daß dieß wohl im Griechischen angehc,aber nicht im Deutschen. Dieß hieße nichts gesagL. Dennes kömmt hier gar nicht ans die Sprache, sondern allein aufden Umstand an, daß der Abschnitt (wie ich sonst selbstglaubte) soll verlängern können.
Gleichwohl halt' ich es für besser, selbst diese Verlänge-rung zu vermeiden. Man sagt mir vielleicht, das Urtheildes deutschen Ohrs sev nicht stolz gennng, um zu Bedenklich-keiten dieser Art zu veranlassen. Wer den Einwurf macht,mag ihn verantworten. Und vielleicht kömmt er auch jetztmit der Verantwortung besser fort, als er etwan einigeJahre weiter hin damit fortkommcn möchte.
Ich verlange nicht, daß man obige beide Bemerkungenauf mein Wort annchme. Ich muß sie also beweisen. Dochlasse ich mich nur, was Homeren betrifft, darauf ein: inAnsehung der Deutschen mag ich nicht; ob ich gleich recht gutkann.
Ich meine dies: sogar nach denen strengeren prosodischenRegeln, nach welchen z. V. geist in Schntzgeist lang ist,ob man gleich solche Sylben noch immer in allen Gramma-tiken, die herauskommen, für kurz erklärt.