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Es ist übrigens aus den bisher angeführten Ursachen sowahr, daß unsre Länge keinen zu großen Umfang hat, daßes auch für den Vorleser deutscher Gedichte eine gute Regelist: Die Länge etwas merklicher hören zu lassen, als er'beiVorlesung der meisten Prosa, oder im Gespräche zu thunpflegt.
Noch ein Wort vom Sprachtone. Er hat an sich selbsteine gewisse Annehmlichkeit. Denn er besteht in einer kleinenangehenden Modulation, die der leidenschaftliche Ton, aufseine Art, ausdehnt oder verstärkt. Wenn eine Länge, die denSprachton nicht hat, mit Leidenschaft soll ausgesprochen wer-den; so muß der Redende einen Sprung thun. Hierdurchentsteht zu viel Abstechendes zwischen der ruhigen und lei-denschaftlichen Deklamation, der gewöhnliche Fall bei denGriechen. Unsere Längen haben den Sprachton allezeit. Wirgehen daher immer nur über. Man sieht, daß die Grie-chen nicht nur das Angenehme der kleinen Modulation oftentbehren, sondern daß sie auch, weil sie bei dem Leiden-schaftlichen einen Sprung thun müssen, von der Stimmen-tragung (denn auch die Deklamation hat die ihrige) nichtwenig verlieren.
Allein unsre Kürzen, sagt man, sind denn doch wohl we-nigstens nicht kurz genung.
Wem denn nicht kurz genung? Dem Deutschen, dessenOhr sich an seine Sprache, und nicht an die griechische ge-wöhnt hat?
Aber es giebt ein Häufchen Gelehrte, von denen die we-nigsten Homeren in seiner Sprache lesen, und die meistenbloß Nachsprecher sind, welches, so oft es auf den deutschenHerameter kömmt, so davon redet, als ob es glaubte, daßauch die deutschen, denen nie ein hvmischer Laut zu Ohren.