66
Doch ich hätte diese Beispiele kaum anführen sollen, weil esim Grunde keine Kürzen, sondern durch deu Sylbenzwanggekürzte Längen sind. Aber desto mehr beweisen sie für mich.
Außer dem kommen hier auch die kurzen Sylben in Be-tracht, welche den steigenden Accent haben. Der Accent hatüberhaupt mit der Splbenzeit nichts zu thnn; aber an denkurzen Sylben verändert er etwas.
Mein Beweis ist: Die Griechen lassen manchmal sechs,sieben Kürzen ans einander folgen. Diese kann man un-möglich auf gleiche Art aussprechen; man muß eine oderzwei ein wenig heben. Und welche? Doch wohl keine andre,als die den steigenden Accent haben? Mir scheint es, daß erdie kürzeste zur kurzen mache. Und so wären denn die Sylbendb, in dedörü, po, in pvdes, ms, in mänos, sie wären,sag'ich, kurze und stünden neben dazu gehörigen kürzesten.
So machte also Homer seinen Vers nicht selten, (wiehätte ich die Beispiele häufen können) und zwar in einerSprache, „in welcher der Herameter kaum unerfunden bleibenkonnte," und gleichwohl stellte sich kein Grieche über nichtbeobachtete Verschiedenheit der Kürze ungebehrdig an.
Wir kommen zu dem Verhältnisse, welches Längen undKürzen unter einander haben.
Die lange und die kurze stehen nicht gut bei einander.Gleichwohl findet man in Homeren: pe und spö, in lipeund spöos: re und Pros, in aüre proseeipe, de undptö, in de ptölemvs, ta und phrö, in kata phrena,gal' und i, in megäl' iachon, und mehr solche.
In Ansehung des Verhältnisses der Längen zu Längen,verbindet man die lange und die längste nicht gern, wenig-stens nicht so, daß jene voran steht. Dieß ist das Einzige,was bei den Graden der Splbenzeit Aufmerksamkeit verdient.