Wcrthing. Weil ich mehr Wohlklaug in dem griechi-schen, als in dem deutschen Hcrameter höre.
Selm er. Ich sehe wohl, ich werde Sie beschuldigenmüssen, daß Sie diesmal den Klang der Worte und ihr Zeit-maß mit einander verwechselt haben.
Werthing. Es ist wahr, ich hatte jetzt diesen Unter-schied nicht gemacht.
Seltner. Ich ziehe unsern epischen Vers dem griechi-schen, in Absicht ans den Rhvthmus, ans zwei Ursachen vor-Die erste ist, weil sich der Daktylus und der Trochäus ähn-lich sind, und der Spondens kein näheres Verhättuist zu demDaktylus hat, als zu allen andern Füßen, den Moloß aus-genommen. Diese Uebercinstimmung der beiden vornehmstenFüße unscrs Hcrameterö gefiel den Griechen so sehr, daß siediesen Doppclfuß: — ^ ^ den musikalischen nannten.
Ob nun gleich der VerS viel öfter aus Wvrtsüßen, als ausden Füßen der Regel bestehn muß, sv dürfen doch diesemanchmal einen Thcil desselben bilden. In dieser Betrach-tung kann uns das genauere Verhältniß nicht gleichgültigscyn. Die zweite Ursache, warum ich uuscrm Verse denVorzug gebe, ist, weil die Rhythmen, durch die er mannich-faltiger, als der homerische wird, einen schönen metrischenAusdruck haben. Ich glaube, Sie machen mir jetzt denVorwurf der Partheilichkeit nicht mehr. Gleichwohl will ichIhnen meine Unpartheilichkeit noch mehr zeigen. Ich be-haupte es nämlich als einen Vorzug des homerischen Verses,daß er die Schnelligkeit des Daktylus mehr durch seinenSpoudcuS, als der nnsrige durch seinen Trochäus aushält.Unsere Dichter können diesen Vorzug vermindern, wenn siesich bemühen wollen, thcils Gebrauch'von den nicht zu weni-gen Spondecn zu machen, die wir vornämlich durch Hülfe