Werthing. Die musikalischen Rhythmen zu solchenStrophen, wie uns Seltner vorlesen wird (ich kenne schoneinige davon), fehlen uns noch. Die Rhythmusstellung unsrerMusik gleicht den Verhältnissen der Baukunst noch zu sehr;und es ist vielleicht noch lange hin, eh sie ein großer Kom-ponist den Gruppen der Malerei ähnlich macht.
Seltner. Wir kämen zu weit ab, wenn wir uns aufdie singende Deklamation einließen. Ich werde mich bemühn,Ihnen die Bewegung der Strophen, die ich habe, durch dieredende auszudrücken. Unterbrechen Sie mich nicht durchAnmerkungen. Sie können mir sie hernach machen. Wennich in Einem fortlese; so übersehen Sie die Mannichfaltigkeitdes lyrischen Zeitansdrncks, welcher in diesen Strophenist, desto leichter. Sie erinnern Sich doch noch, Minna:Alles, was die Sprache sagen kann, sagt sie, durch denWortsinn, in so fern nämlich die Wörter, als zu Zeichengewählte Töne, einen gewissen Inhalt haben, ohne noch dabeiauf den Klang, und die Bewegung dieser Töne zu sehen;durch den Zeitausdruck, in so fern die Bewegung, unddurch den Tonansdruck, in so fern der Wvhlklang Aus-drücken hilft.
Minna. Ob ich mich erinnere? Ich soll keine Anmer-kungen machen. Aber ein paar Fragen werd' ich doch wohlthun dürfen.
Seltner. Kurze denn wenigstens; wenn's nicht andersseyn kann.
Minna. Lassen Sie mich mit einsehn.
Seltner. Damit Sie die übergeschriebenen Sylbenmaßerecht beurtheilen, muß ich Ihnen sagen, daß die Komma dieVerse in ihre Rhythmen abtheilen. Theilt man anders ab; somacht man, ob gleich eben die Reihe Längen und Kürzen