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Ricchfläschchcn wieder belebt. Sie schlug die Augen auf,erhob sich mit Anstrengung und rief händeringend: „Sieist da, die Stunde des Gerichts! Ich stehe vor der Freun-din meiner Jugend als Verbrccherin. — Ach, Frau vonRunenstein, ich bin ein Ungeheuer! Lassen Sie mich inden Kerker, lassen Sie mich zum Rabcnstein führen!" —„Beruhige dich, arme Christine!" sprach Alwin«, undreichte ihr freundlich die Hand.
„O, nicht diese himmlische Güte!" sagte Jene. „Ichthat das Gräßlichste — ich raubte Ihnen Ihr thcureSKind." -
Jetzt kam Auerfeld eilig zurück. „Mutter! Mutter!wie ist dir?" rief er aus und umarmte Christinen. Siesah ihn wie versteinert an. „Erschrick nicht, Mutter!"sprach er sanft: „ich bin dein Ludwig." —
„Ludwig!" — mit diesem Schrei stürzte die Wittweauf die Knie. „Allmächtiger Gott, ich danke dir!" Nascherhob sie sich wieder, herzte und küßte den Jüngling, führteihn dem Herrn von Runenstein und Alwinen zu undschluchzte: „Hier gcb' ich Ihnen, nach einem vicrundzwan-zigjährigen Raube, Ihren Ludolph zurück." —
„Seliger Augenblick!" rief Alwin«, und mit Frcuden-zähren umarmten die Eltern den wicdergcfundenen Sohn.Die übrigen standen gerührt umher, ohne die heilige Stilleeiniger Minuten durch einen Laut zu unterbrechen. Dannwurde Ludolph die Reihe herum begrüßt und geküßt. He-lene hatte Mühe, ihre Wonnetrunkcnheit im Zügel desAnstands zu halten. Auch Ortlieb bezeigte über den Bru-der, von dem er doch manchen Eintrag und Abbruch zubefürchten hatte, die innigste Freude, und bewies dadurch,daß er ein guter Mensch war.
Indessen hatte sich Christine genug gesammelt, um dieNeugier der Anwesenden befriedigen zu können, und sie begann: