Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
304
Einzelbild herunterladen
 

304 <A<-

erschienen die Gäste. Nun ward ihm bange. Er ging aufden Zwerg, der geschäftig hin und her lief, mit der Fragelos:Sollen denn die vielen Lebensmittel, die man hiereinschlcpptc, von jetzt bis acht Uhr verzehrt werden?"Bis morgen früh um acht Uhr gewiß!" antwortete Za-chäus sehr ernsthaft. Uhrmann schlug die Hände über demKopfe zusammen.

Der Schmaus begann; der Wein erhitzte die Köpfe; dielustigsten Studentcnlicder wurden gesungen. Gegen Mit-ternacht kam auch die Reihe an das berühmte Ksuäesmusund den eben so berühmten Landesvater. Man spießtebeim letzter», nach alter Burschensitte, einen Hut über denandern auf des Negimcntstambours breiten Säbel. Za-chäus, der seinen befiederten Courierhelm zu dieser Feier-lichkeit nicht brauchbar fand, griff nach Geblers Hute. Deralte Meister verweigerte dicß verderbliche Darlehn.Ei,zum Teufel!" schrie der betrunkene Gnom:ein Schneider-filz muß sich's zur Ehre schätzen, mit Studentenhüten zu-sammengespießt zu werden!" Damit entriß er Geblcrn denHut, und blitzschnell war er vom Schwerte durchbohrt.Der Eigenthümer schimpfte gräßlich. Zachäus wollte ihmeine Flasche an den Kopf werfen; doch, des Ziels verfeh-lend, flog sie mit schrecklichem Geprassel durch's Fensterauf die Straße. Schäumend rannte Gebler fort, um desKammcrjunkers Beistand anfzurufen. Der tolle Zwerg liefihm mit einem Stocke nach und drasch ihn bis vor dieThür des Herrn.

Mit Unwillen vernahm der Kammerjunker die Mißhand-lung seines treuen Dieners; und da der neue Hofrangseinen schwachen Muth etwas gestärkt hatte, so war erflugs entschlossen, sich aus dem Bette zu erheben und durch