Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

-O-D 303 S---

reisen dann mit einander nach Bärenfels und feiern Schlagauf Schlag Verlobung und Hochzeit."

Der Herr Kammcrjunker fühlte sich eben nicht mit Lie-besflügcln versehen; doch die gnädigen Eltern wollten,daß er sich schleunig vermählen sollte, und er selbst freutesich heimlich auf den hochzeitlichen Tafelgenuß: daher be-stimmte er einen der nächsten Tage zur Abreise.

Indessen machte sich der Zwerg tapfer lustig. Er hatte,außer dem Obcrhauptc der Janitscharen, noch zwei Uni-versitätsfreunde in der Residenz ausgegattert. Der einewar Inhaber und Direktor eines Puppentheaters; derandere ein Landstreicher, der seit zehn Jahren Deutschlanddurchzog und Vorausbezahlung auf Bücher einsammclte,die er weder schreiben konnte, noch wollte. Diese Herrenbildeten, mit Einschluß des Rcgimcntstrommlers, ein treff-liches Kleeblatt und waren die täglichen Gesellschafter desZwergs. Doch stand er auch jetzt mit dem wackern Nie-mand auf einem freundschaftlichen Fuße. Gebler wundertesich nur, daß dieser Ehrenmann die lockere Fliege seinesUmgangs würdigte.

Zachäus sollte nach Runenstein voraus reiten und desBräutigams Ankunft dort melden. Den letzten Abend inder Hauptstadt wählte er zu einem Bankett, wozu er, mitErlaubniß des Kammerjunkers, seine drei Freunde, denRiesen, den Puppenspieler und den Landstörzer, ins Uhr-mann'sche Haus einlud. Auch der gute Herr Niemandversprach, in die Gesellschaft zu kommen, und er hielt wieimmer sein Wort.

Es war schon fast sieben Uhr, als der laucrsame Haus-wirth die Anstalten des Banketts entdeckte. Er sah Spei-sen bringen und Flaschenkörbe mit Wein. Kurz darauf