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„Kaum möglich!" — sprach Madame Tarantel. „Dochdas bei Seite! — Im Schauspiele Göß von Berlichingensagt ein ländlicher Bräutigam von seiner Braut: er habeden hübschsten Backfisch im Dorfe." Diese Stelle wider-legt den Herrn Adelung. Franken, wo Götz von Berli-chingen lebte, liegt bekanntlich nicht in Niedersachsen, undein Mädchen, das einen Bräutigam hatte, mußte wohlzum Heirathen tüchtig sepn." —
Das sollte man denken!" versetzte der Junker. „Dochauf diese Art scheint es, als hätte auch Herr AdelungGoethe's Werke nicht gelesen." —
„Sie sagen in aller Unschuld ein treffendes Wort!" er-wiedcrte sie. „Gelesen mag er sie wohl haben; es hatihm nur nicht gefallen, in seinem Wörterbuche darauf ge-bührende Rücksicht zu nehmen." —
Mancher Leser wundert sich vielleicht, daß die Dame sovorbereitet war, eine lange und gelehrte Brühe über denBackfisch zu gießen. Das ging aber natürlich zu. Alssie Abends vorher aus der Comödie und die Kammerjung-fer aus ihrer Theegesellschast kam, erzählte die Letztere,was für ein verdächtiges Wesen sic im Zimmer des Herrnvon Runenstein angetroffen hatte. Diesen Bericht vernahmHelenens Erzieherin mit großem Mißfallen. Sie wünschte,mehr Licht in der Sache zu bekommen; und da sie vomGastwirthe, den sic persönlich kannte, alle Umstände genauzu erfahren hoffte, so schickte sie noch gegen zehn Uhr, alsOrtlieb und Gebier bereits zur Ruhe gegangen waren, dieKammerjungfer an Jenen ab. Er verhörte in ihrer Ge-genwart den Hausknecht. Dieser sagte aus: der jungeCavalier habe einen Backfisch mit solcher Heimlichkeit be-
' Goethe'S Werke, fünfter Band, S. 76.