-o-D 208 ^
nicht heilig ist, ungeachtet er in Schrift und Druck im-mer ein Scinct cm der Stirne fuhrt — in Petersburgversiegte die goldene Freudenguclle. Ich bemühte mich, siedurch allerlei Finanzspeculationen wieder in Gang zu brin-gen, und es gelang eine Weile nicht übel. Aber zuletztgerieth ich wegen elender zweihundert Ducaten ins Schuld-gefängniß, und ich sollte daraus nicht entlassen werden,bis ich den letzten Heller bezahlte.
Jetzt hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben einigeUrsache, Gott zu danken, daß ich ein Zwerg war. Beinatürlicher Mannslänge war' ich wahrscheinlich ein ewigerGefangener geblieben; kein Mensch hätte sich um den all-täglichen Menschen bekümmert: aber mein Zwcrgthum reiztedie Gcwinnlnst eines Bären- und Affenführers, mit mirin Unterhandlung zu treten. Er lieh mir die benöthigtenzweihundert Ducaten auf unbestimmte Zeit, und ich ver-schrieb ihm dafür zum Untcrpfande meinen Leib, und Stattder Zinsen die Befngniß, mich überall, wo cs ihm beliebte,so lange zur Schau auszustellen, bis ich ihm das vorge-schosscne Lösegcld wieder bezahlte. Es war kein ehrenhaf-ter Vertrag, das gesteh' ich; doch ich wußte keinen andernWeg aus dem Schuldthurme, und es dünkte mich ein Leich-tes, durch Geschenke von Fürsten und andern Standcsper-sonen bald so bereichert zu werden, daß ich mich von mei-ner Sclaverci loskaufen könne.
Aber diese Rechnung war falsch. Ich stellte zwei Jahrelang vielen großen und kleinen Erdcngöttern, die mich inhöchsten und hohen Augenschein zu nehmen geruhten, meinetraurige Lage vor, ich bettelte mündlich und schriftlich, inProsa und in Versen, und brachte dennoch nicht mehr alshundert Ducaten zusammen, die ich meinem Gläubigernach und nach abtrug. Das zweite Hundert bin ich ihm