Zehntes Kapitel.
Anmeldung eines kleinen Fräuleins, das uns mit der Zeitwichtig werden wird.
Ortlicb war kerngesund, nährte sich wacker, wuchs indie Höhe und noch mehr in die Breite, und verricth, zurFreude seines Vaters, einen sehr ruhigen Geist. Er wünschteund begehrte nichts lebhaft als Speise und Trank. Warder damit reichlich bedient, so war er das frömmste Kindvon der Welt. Die Acltern schmeichelten seiner Nahrungs-lust durch Beschenkung mit einer Küche, die kaum den Um-fang einer Quadratelle hatte, aber mit allen Gcräthcneiner gewöhnlichen Küche versehen war. Er wirthschaftetenun den ganzen Tag in derselben herum und bereitetesich Leckerbissen. Der Kern einer watschen Nuß vertrat,zum Beispiel, die Stelle einer gebratenen Gans, und Aep-felschnitte waren der dazu gehörige Salat.
Vater Arbogast, der gegen alle stille und gelassene Men-schen eine besondere Zuneigung hegte, ergötzte sich an sei-nes Söhnleins geräuschloser Thätigkcit, sah ihm Stundenlang zu, wenn er emsig kochte und briet, und lieferte ihmfleißig Victualien in seine Küche. Es war ihm auch garnicht mißfällig, daß Ortliebchcn bis in sein achtes Lebens-jahr, als eigener Mundkoch, täglich fortarbcitcte und keineLust blicken ließ, etwas anders zu lernen, oder sich mit